Feierabendbier und Swinger Club

Catherine Bruha

Die bekannten deutschen Schauspieler Johann Jürgens, Julia Dietze und Christian Tramitz (von links) glänzen in den Rollen ihrer spleenigen Figuren.
Fotos: Jakob Wiessner

Seit 25. Oktober läuft „Feierabendbier“ in den Kinos – eine urbane Geschichte voller Emotionen und über die Bedeutung wahrer Freundschaft. Regie und Drehbuch stammen von dem jungen Münchener Ben Brummer. 

Ein Feierabendbier in der Lieblingskneipe – für so manchen der perfekte Ausklang eines harten Arbeitstages. Doch wenn Bürohengste und ähnliches Getier ihren Feierabend einläuten, beginnt die Arbeit all derer, die entsprechende Gastronomien betreiben. Auch Magnus, der Protagonist (gespielt von Tilman Strauß) des seit 25. Oktober in ausgewählten Kinos laufenden Films „Feierabendbier“ betreibt ein solches Etablissement. Die Kneipe trägt den unmissverständlichen Namen „Feierabendbier“ und lockt so manchen Stammgast täglich in ihre heimeligen Hallen. Einer davon ist Manfred (Christian Tramitz), der sich selbst als „Universalmensch” bezeichnet und den Laden schon besuchte, bevor Magnus ihn übernommen hatte. Der Barkeeper hat sich voll und ganz seiner Arbeit hinter der Theke verschrieben. Doch wirklich glücklich fühlt er sich nicht, denn er lebt getrennt von seiner Ex-Freundin und seinem Sohn. Um die Einsamkeit zu kompensieren, gilt seine Aufmerksamkeit neben der Arbeit in der Bar einem Youngtimer-Coupé aus den 80er Jahren.

„Magnus leidet unter verletztem Stolz, das ist ein Ego-Problem. Eine echte Identität ist unangreifbar. Sie beinhaltet ja auch das Scheitern und die eigenen Unzulänglichkeiten. Aber Magnus, der als Familienvater gescheitert ist, verlagert seine ganze Identität auf seinen Mercedes 500 SEC. Ein schönes Auto, aber eben kein echter Lebensinhalt”, erklärt Ben Brummer. Der Münchener Regisseur schrieb auch das Drehbuch zum Film. Zu der Geschichte inspiriert haben ihn feuchtfröhliche Kneipenbesuche und das eine oder andere Feierabendbier. „Als Filmemacher ist man idealerweise ständig auf der Suche nach einer möglichen Verwertbarkeit des Alltags. Theoretische Probleme sind filmisch uninteressant,” findet Brummer.

Dimi im Swingerclub

Ernst wird es für seinen Protagonisten, als sein geliebtes Fahrzeug und damit sein vermeintlicher Lebensinhalt verschwindet. Der cholerische Barbesucher Bene (James Newton) gerät unter Verdacht. Immerhin bekundete der schon einmal Interesse an der Karre. Als Magnus ihm ausgerechnet während eines Besuchs im Swingerclub begegnet, kann er sich nicht zügeln. Es kommt zur Schlägerei und endet mit dem Rauswurf von Magnus und Kumpel Dimi (Johann Jürgens).

„Die Swingerclub-Szenen waren ein echtes Highlight beim Dreh“, erinnert sich Brummer schmunzelnd. Als Location habe ein Münchener Bordell herhalten müssen. Denn echte Swingerclubs hätten fast rund um die Uhr geöffnet – unmöglich, dort zu drehen! Dieser Dreh habe sich, für einen kalten Februartag, wirklich gemütlich und warm gezeigt – obwohl alle Darsteller ziemlich leicht bekleidet spielen mussten. „Anfangs waren die Statisten noch relativ zurückhaltend, nach dem 20. Take wurde ihnen dann offenbar so langweilig, dass ein paar sich tatsächlich näher kamen”, erzählt Brummer augenzwinkernd.

Vivian (gespielt von Julia Dietze) unterstützt Magnus bei der verzweifelten Suche nach seinem geliebten Fahrzeug. Auch sie kämpft mit den Nachwehen einer gescheiterten Beziehung. Die Dame neigt zu Destruktivität und sexuellen Eskapaden und erklärt sich bereit, den Verdächtigen im Swingerclub aufzuspüren. Schließlich darf Magnus den Club nicht mehr betreten. Nachdem die Mission von Erfolg gekrönt ist, kommen sich Vivian und Magnus näher.

Das Objekt der Begierde – der originale Mercedes 500 SEC aus dem Film – konnte am 11. Oktober von den Premieregästen in München live bestaunt werden.

„Sex-Szenen sind natürlich nicht ganz unproblematisch. In Hollywood werden sie meist am ersten Tag erledigt, damit man es hinter sich hat. Wir haben sie ganz bewusst erst zum Schluss gedreht. So konnten sich Julia Dietze und Tilmann Strauß erst kennenlernen und Vertrauen aufbauen“, so Brummer. Bei dieser Art von Szenen gelte das „Closed Set”, erklärt der Jungregisseur. Dabei dürfen ausnahmslos Leute anwesend sein, die wirklich notwenig sind. „Das sind eigentlich immer noch ziemlich viele,” berichtet Brummer von einem der letzten Drehtage. „Die Stimmung am Set war sehr konzentriert und die Szene komplett durchchoreographiert, ähnlich wie bei einem Ballett. Die Schauspieler besprechen im Vorfeld ganz genau, wer wann wo hinfasst und wie der gesamte Ablauf aussieht.”

Für die Verwirklichung des ambitionierten Filmprojekts stand dem Regisseur nur ein kleines Budget zur Verfügung. „Im Kompromiss liegt immer eine Chance,” sagt Brummer und erklärt, dass zu perfekte Locations, Ausstattungen oder Kostüme auch unnatürlich wirken können. „Dann bleiben womöglich die Figuren leblos, wie in einer Werbung.” Ein paar namhafte Schauspieler hat die Herangehensweise jedenfalls nicht abgeschreckt. Sogar um den Verleih an die Kinos kümmert sich Brummer persönlich, hat dafür eigens die „Monolith Film „gegründet. „Klar wäre ein Major-Deal mit fettem Marketing-Budget auch schön gewesen, aber irgendwie ist es doch folgerichtig, den Weg nun so zu gehen. Und der intensive Kontakt zu den Kinobetreibern und den Zuschauern erinnert einen auch daran, worum es eigentlich geht beim Filmemachen,“ sagt der Münchener.

Gefördert wurde die Produktion der GAZE Film GmbH durch den FilmFernsehFonds Bayern (FFF Bayern), die zentrale Anlaufstelle für die Film- und Gamesförderung in Bayern. Wertvolle Unterstützung kam auch von der Gin-Schmiede „Duke“, den Rosenheimer Bartpflege-Profis „blackbeards“ und dem Giesinger Bräu. Die kleine Münchener Brauerei füllt für die Kinotour eigens ein spezielles „Feierabendbier” ab und bietet einige Special-Screenings im eigenen Lokal.

Um zu erfahren, ob Magnus seinen Mercedes wiederbekommt, bleibt ein Kinobesuch nicht aus. So viel sei jedoch schon verraten: Manchmal muss man sein altes Ego abstreifen, um sich für Neues zu öffnen. Schön, wenn man sich dabei auf seine Freunde verlassen kann.

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