Faszination der Krippenkunst

Axel Effner

Fotos: Axel Effner

Eine große Jubiläumsausstellung und die traditionelle Kripperlroas machen Tittmoning in der Weihnachtszeit zur Pilgerstätte für exquisite Krippen-Raritäten.

Der Zauber faszinierender Weihnachtskrippen gehört zur Adventszeit wie der Duft von Bratäpfeln und Glühwein. Im Kleinformat oder mit Figuren in Kindergröße ziehen die liebevoll gearbeiteten Miniaturwelten allerorten Blicke des Staunens auf sich. Mit zwei besonderen Veranstaltungen wird im Dezember und Januar die Salzachstadt Tittmoning zur Pilgerstätte für Krippenliebhaber und Freunde selten gezeigter Raritäten.

So feiert zum einen der Verein für Krippen und religiöse Volkskunst Inn-Salzach sein 30. Jubiläum mit einer großen Krippen-Ausstellung. Die Jubiläums-Schau steht unter dem Motto „Friede auf Erden – Bethlehem ist überall“. Vom 1. Dezember bis 12. Januar sind dazu in den Räumlichkeiten des Grabkreuzraums und des Carabinierisaals der Burg Tittmoning seltene Krippen zu sehen. Als besondere Attraktion wird die Ruinen-Szenerie der 1906 abgerissenen Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf ausgestellt.

Nicht weniger faszinierend dürfte die „Landshuter Krippe“ sein, die auf einer Länge von fünf Metern reizvolle Weihnachts-Einblicke in die Altstadt der niederbayerischen Metropole gibt. Zum Schatz des Krippenvereins gehören ebenso Schnee-, Bergmanns-, Kasten- und Papierkrippen, eine Wurzelkrippe aus Schwemmholz oder ein Kleinod aus Ibiza mit vergoldetem Krepppapier. Dazu kommen Szenerien aus Lateinamerika, Schweden oder Südtirol.

Seit Jahren auch überregional einen Namen gemacht hat sich Tittmoning durch die Kripperlroas. Sie startet am 15. Dezember sowie am 1., 5. und 12. Januar um 14 Uhr in der Stiftskirche St. Laurentius. Unter sachkundiger Führung von Mesner Rainer Zimmermann und Ortsheimatpfleger Manfred Liebl ziehen die Besucher bei einer Winterwanderung durch die Stadt von Krippe zu Krippe und erfahren Wissenwertes zu Tradition und Geschichte.

So geht die heutige Krippenkultur wohl auf die erste lebendige Krippe mit Tieren zurück, die Franz von Assisi 1223 darstellen ließ. Im Trienter Konzil wurde Mitte des 16. Jahrhunderts beschlossen, Inhalte der Bibel und die Weihnachtsbotschaft zum besseren Verständnis anschaulich darzustellen. So entstanden die ersten Krippen in Italien. Durch die Vorliebe des italienischen Adels und gehobener Bürger für von Künstlern gestaltete Krippen und „Krippenschauen“ breitete sich die Tradition in Europa aus.

Ein Krippen-Juwel beherbergt die Stiftskirche St. Laurentius in Tittmoning: eine prachtvolle Barockkrippe aus der Zeit, als Tittmoning noch zum Fürsterzbistum Salzburg gehörte. Sie umfasst heute 100 Figuren mit einer Größe zwischen zehn Zentimetern und einem Meter. Einige Figuren – das Christkind, Maria und die Engel – stammen noch aus dem frühen 18. Jahrhundert, wie eine Renovierungsrechnung des Wachsposiers Johann Bapist Cetto von 1706 belegt. Durch die mit Draht am Rumpf befestigten Glieder kann man die Puppen für unterschiedliche Szenen bewegen. Die Gesichter sind aus Wachs modelliert und mit Kreide überzogen. Die Augen aus mundgeblasenem Muranoglas sind kunstvoll in das Wachs hineinmodelliert.

Bei einem Kirchengroßbrand 1815 rettete der damalige Obermesner die Figuren unter Lebensgefahr aus der Sakristei. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als Mottenfraß, Holzwurm und Feuchtigkeit die Figuren arg ramponiert hatten, retteten die Tittmoninger Frauen zusammen mit dem Mesner Krippe und Figuren abermals mit einer gewaltigen Nähaktion für neue Kleider. Ausgewählte Mädchen spendeten zudem ihr Haar für die Frisur von Maria.

Zur Besonderheit der Krippe, die am ersten Adventssonntag aufgebaut wird, gehört, dass sie bis Maria Lichtmess mehrmals umgestaltet wird und sieben verschiedene Szenen zeigt: die Verkündigung Mariens, Mariä Heimsuchung, die Herbergsuche, die Geburt Christi, die Anbetung der Weisen, die Flucht nach Ägypten und „das Haus Nazareth“ mit Jesus als jungem Knaben. Seit 2012 zeigt die Krippe auch König Salomon und die Königin von Saba mit prachtvollem Hofstaat bei der Huldigung – auch wenn die Verknüpfung mit den Heiligen drei Königen historisch nicht korrekt ist. Zwischen 1995 und 2014 wurde der Großteil der Figuren fachkundig restauriert, sodass die Krippe wieder einen ganz besonderen Reiz ausstrahlt.

Information: Vernissage und Eröffnung der Jubiläums-Krippenausstellung findet am 1. Dezember um 15 Uhr in der Michaelskapelle der Burg statt. Danach ist die Schau in der Burg bis 12. Januar jeweils am Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr zu sehen. Sonderöffnungszeiten gibt es zum Barbaramarkt am 7. und 8. Dezember. Am 7. Dezember ist die Krippenausstellung jeweils von 15 bis 21 Uhr, am 8. Dezember von 13 bis 19 Uhr zu sehen. Im Rahmen einer Sonderöffnung ist zudem am 1. und 6. Januar von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

Nähere Auskunft und Gruppenanmeldung bei der Tourist-Info Tittmoning, Stadtplatz 1, 84529 Tittmoning, Tel.: +49 (0) 8683 - 700710, Email: tourist-info@tittmoning.de

www.tittmoning.de

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