Farbe, Licht und Klarheit

Claudia Bultje-Herterich

Fotos: Claudia Bultje-Herterich

Feng Shui im Herbst und Winter: Schon mit kleinen Veränderungen lässt es sich oft viel entspannter wohnen.

Beim Betreten des Hauses von Gabriele Rosenow in Edling bei Wasserburg spürt man sofort Leichtigkeit und angenehme Klarheit. Dabei ist auf den ersten Blick nichts an Mobiliar zu entdecken, das wir Laien uns gemeinhin unter Feng Shui vorstellen. Minimalistisches asiatisches Ambiente? Buddhas in jeder Ecke? Fließende Wasserspiele im Wohnzimmer? Erst mal Fehlanzeige. Wo oder was also ist hier das Feng Shui?

Die Innenarchitektin lacht herzlich. „Feng Shui ist die chinesische Wissenschaft, wie man sich sein Wohnumfeld so gestaltet, dass man daraus die optimale Energie ziehen kann, dass es seine Bewohner stärkt. Dafür sind in unserer westlichen Gesellschaft aber keine chinesischen Möbelstücke nötig“, erklärt die 52-Jährige. Feng Shui habe vor allem mit Ordnung zu tun. Und ganz viel mit Ausmisten und Loslassen. Damit klar strukturierte, möglichst weite Räume entstehen, mit Blickkontakt nach draußen ins Grüne, und wohltuenden Farben an ausgewählten Wänden.



Wer Feng Shui in sein Haus oder seine Wohnung holen will, muss also erst mal Ballast abwerfen. Und genau das tat Gabriele Rosenow, als sie vor sieben Jahren dieses 150 Quadratmeter große Haus mit 3.000 Quadratmeter großem Garten von Ihren Eltern  erbte. Es wurde 1949 gebaut und war ursprünglich ein typisch oberbayerisches Landhaus. Viel Holz, dunkle, kleine Räume, vollgestellt mit Antiquitäten und Madonnenstatuen – Zeugnisse der Sammelleidenschaft ihres Vaters. Energetisch also für jeden Feng-Shui-Kenner eine Katastrophe.

Da sie sich kurz vorher als Feng-Shui-Beraterin mit ihrer Firma „Mingtang“ selbständig gemacht hatte, war Gabriele Rosenow klar: ein Umbau muss her. „Für mich ist das Feng Shui eine Komplettierung all dessen, was ich über das Einrichten von Häusern und Wohnen je gelernt habe. Eine Art Raumpsychologie und Farbtherapie, individuell auf die Bewohner der Räume abgestimmt. Natürlich wollte ich das hier in meinem eigenen Haus auch umsetzen.“ Also fing sie an zu entrümpeln. Mehr als eine Tonne alter Sachen holte sie aus Dachboden und Keller, ließ Wände durchbrechen, um kleine Räume zu verbinden, mit Licht zu durchfluten und mehr Weite zu schaffen. Da sie ihr Elternhaus in der Grundstruktur erhalten wollte, beschloss die damals 45-jährige, ganz behutsam umzubauen. Deshalb konnte sie nicht gleich alle Feng-Shui-Prinzipien umsetzen.



Nach Feng Shui braucht jedes Haus eine Rückendeckung durch einen Berg oder Hang. Auch Sitzmöbel und Betten sollten deshalb nie im freien Raum, sondern immer an einer Wand stehen. Da der Grundriss und die Lage des Hauses nun mal nicht verändert werden konnten, griff die Innenarchitektin zu kleinen Tricks. Ihr Haus hatte bereits „Halt“ im Rücken durch einen kleinen Hügel, den sie noch verstärkte und mit neun verschieden großen Säulenthujen bepflanzte. Eine wellenförmig fließende Mauer kam dazu und bildet nun die Basis, den „Sitz“ des Hauses. Zwischen Wohn- und Esszimmer schlug sie einen Durchbruch und sorgte durch sanfte Cremetöne für Ruhe. Das lässt den kleinen Raum größer wirken, als er ist.

Da jedes Haus im Feng Shui einen Herzpunkt, also ein Zentrum braucht, das klar definiert werden muss, machte Gabriele Rosenow zwischen Ess- und Wohnbereich einen versteinerten  Ammoniten zum Mittelpunkt. Vom Esszimmerfenster aus schuf sie einen wunderbaren Blick ins Grüne auf einen großen Bambus, der im Feng Shui eine wichtige Rolle einnimmt. „Jedes Haus sollte einen Bambus haben“, findet Rosenow. „Durch sein kraftvolles Holz hat er eine hohe energetische Qualität und vermittelt heitere Gelassenheit, die können wir doch alle gebrauchen, oder?“ Bambus könne man auch gut in einem Terrakottatopf auf den kleinsten Balkon stellen.

Welche Feng-Shui-Tipps gibt es denn jetzt für den Winter? „Schaffen Sie bewusst viele kleine Lichtinseln in ihrer Wohnung, leuchten Sie alle Wohnbereiche aus,“ rät die Mutter zweier erwachsener Töchter. Auch die Außenbereiche mit Lichtakzenten zu versehen, sei wichtig. „Ich will doch nicht von drinnen durch dunkle Löcher ins Nichts schauen. Aus Feng-Shui-Sicht sorgt das nur für traurigen Stillstand. Ich helfe mir mit Zeitschaltuhren. Dann gehen meine Lichterketten auf der Terrasse und ums Haus an, kurz bevor ich aus der Arbeit komme. Es ist doch schöner, in ein erleuchtetes Haus zu kommen.“ Und keine Angst vor den Stromkosten, fügt sie beruhigend hinzu, mit den neuen LED-Lampen kann man die tröstenden Winter-Lichter trotzdem stromsparend gestalten. Außerdem: Mit großen Kerzen in stabilen  Windlichtern auf Balkon und Terrasse geht es auch.

Feng Shui im Winter: Die blonde Edlingerin, deren Großvater schon Architekt in der Gemeinde war, rät  zu gesunden, saftigen Pflanzen mit runden Blättern. Bloß keine halbtoten zerzausten Gewächse, weil die negatives Chi, also negative Energie, verbreiten. Und bitte raus mit den Stechpalmen! Die gelten im Feng Shui als abweisend und halten nette Menschen fern. Was doch besonders in der Adventszeit schade wäre.

Im Idealfall hat man schon rechtzeitig Farbe in seine Wohnung gebracht. Farbpsychologie im Feng Shui ist sehr individuell und wird anhand des Geburtsdatums und der Lage der Räume errechnet. Dabei spielt der „Lo Pan“, eine Art chinesischer Kompass eine sehr große Rolle, mit dem aber nur geschulte Profi s wie Feng-Shui-Beraterin Rosenow umgehen können. Für uns Laien sei gesagt: Sattes Gelb tut allen gut und ist deshalb ideal für Räume wie Küche, Ess- oder Wohnzimmer, in denen die Bewohner des Hauses sich treffen. Und es kann schon Wunder wirken, in dunklen Jahreszeiten die braune Leder- oder Cordcouch mit hellen Kuscheldecken oder farbigen Kissen in eine positive Farbinsel zu verwandeln. Jetzt noch eine Duftlampe mit frischen ätherische Ölen wie Zeder, Orange oder Zitrone in den Räumen aufstellen und kalten, verregneten Herbst- und Wintertage trotzen.

Wer gleich ein paar Feng-Shui-Prinzipien umsetzen möchte oder noch ein inspirierendes Geschenk für seine Liebsten sucht, dem empfiehlt Gabriele Rosenow einen wunderbaren Bildband von Gudrun Mende: „Feng Shui – wenn Räume lächeln.“ Denn wenn Räume lächeln, kann uns der Winter nichts mehr anhaben.

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