Eine Skitour mit Anspruch

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Der 2.202 Meter hohe Lämpersberg in der Wildschönau lockt Tourengeher mit vielfältigen Abfahrtsvarianten.

Die Wildschönau in Tirol bietet unendlich viele Tourenmöglichkeiten. Ein Klassiker in diesem urigen Hochtal in den Kitzbüheler Alpen ist der Lämpersberg, der oben bei guten Verhältnissen mit einer gigantischen Aussicht auf Hohe Tauern, Zillertaler und Stubaier Alpen punktet und mit wunderschönen langen Hängen hinunter überzeugt. Hier kommen vor allem abfahrtsorientierte Freetourer voll auf ihre Kosten.

Klingt ziemlich gut und steht deshalb ganz oben auf der Touren-To-do-liste. „Die Chancen stehen 50:50, dass es heute aufreißt“, meint Alex Holaus frühmorgens am Telefon. Geschneit hat es über Nacht, es könnte also durchaus traumhaft werden, wenn es die Sonne tatsächlich durch das Wolkendickicht am Himmel schaffen sollte. So genau weiß man das ja nie in den Bergen. Alex ist Ski- und Bergführer – sowie leidenschaftlicher Telemarker. Er kommt eigentlich aus Kals am Großglockner, lebt aber seit über 30 Jahren in der Wildschönau. Alex will mit uns hinauf zum Lämpersberg und vor allem die oben steilen, unten schönen und breiten Wiesenhänge wieder hinunter in Richtung Auffach. Diese Hänge sollen an einem Powder-Tag wie heute hier in der Region kaum zu überbieten sein, sagt er, weshalb diese Tour zu seinen Lieblingstouren in der Wildschönau zähle. Sichere Schneeverhältnisse aber vorausgesetzt, weil der Berg vor allem im Gipfelbereich ein nicht ganz ungefährliches Steilstück aufweist.

 

Wir sind spät dran, wollen den Aufstieg von knapp 1.100 Höhenmetern, den die Tourengeher normalerweise kurz vor der Schönangeralm hinter Auffach starten, deshalb ein wenig verkürzen und nutzen ein spezielles Skitourenticket der Schatzbergbahn. Ein wenig Einfahren auf der Piste hinüber zum Startpunkt am Speichersee, LVS-Check und Auffellen. Gut, dass Alex die Berge hier wie seine Westentasche kennt. Denn beim Aufstieg durch den nahezu noch unverspurten Schnee vorbei an der Joelspitze (1.964 Meter) lässt sich die Sonne zwar immer wieder mal sehen, aber die letzten Höhenmeter hinauf zum Gipfel erwartet uns ein komplettes „Whiteout“. Ohne ortskundigen Guide wäre mangels Orientierung längst Umkehren angesagt. Kurzer Zwischenstopp, weil Alex im tiefen Schnee immer wieder die Teller seiner antiken Bambusstöcke verliert, die er notdürftig mit Kabelbinder repariert.

Ungemütlich ist es oben am Gipfelkreuz. Vom sonst so grandiosen Panorama ist diesmal nicht viel zu sehen, weshalb die Pause auch nur kurz ausfällt. Die ersten Abfahrten sind bei der schlechten Sicht und wegen der steilen Hänge hier oben heikel, vorsichtiges Queren auf Bergführer-Anweisung ist deshalb angesagt.Weiter unten wird es wesentlich entspannter. Zwischendurch gibt es auf dem weiten und abwechslungsreich kupierten Gelände immer wieder ein paar sonnige Lichtblicke – und mit ihnen schöne Schwünge im frischen Pulverschnee auf den breiten Wiesen hinunter nach Auffach. Hier lohnt sich eine Einkehr in der Schönangeralm oder auf dem Heimweg in die urige Wirtschaft Thalmühle (www.thalmuehle.at) in Oberau, ein Szenetreffpunkt der Tourengeher. Die Wirtin Kathi Naschberger war übrigens schon mit Extrembergsteiger Peter Habeler unterwegs, ist dem Ruf der Berge in die ganze Welt gefolgt und kennt die Wildschönau ebenfalls wie ihre Westentasche.

  • Routeninformationen
Anforderung: mittel
Höhendifferenz: 1.094 Meter
Gehzeit: ca. 3 Stunden
   
Gebirge (Region): Kitzbüheler Alpen
   
Einkehrmöglichkeit:

Gasthof Schönangeralm,
Gasthof Thalmühle, Oberau

Ausgangspunkt: Gasthof Schönangeralm (1.173 m)
Parkplatz: Gasthof Schönangeralm (1.173 m)
Beste Tourenzeit: Dezember bis April
Anfahrt:

Inntalautobahn bis Wörgl, von dort in die Wildschönau und durch die Oberau, Auffach in die hintere Wildschönau zum Gasthof Schönangeralm (1.173 m)

Kontakt Bergführer: Alexander Holaus,
Tel. +43 (0)680 2008612

 

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