Ein Traum von Panorama

Das Griesner Kar im Wilden Kaiser gilt als Klassiker für die Skitouren-Fans aus der Region.

Petra Rapp

Fotos: Rapp/Jacob

Ein sonniger Tag war angesagt. Da kommt sofort innere Unruhe auf, ein drängendes „Auffi muaß i“. Noch einmal hinauf in die Berge, noch einmal rein in den Schnee! Irgendwie kann ich ihn noch nicht loslassen, diesen Winter, hab‘ noch so viel Lust auf die zwei Bretter. Schnee hat es zwar noch genug, doch am Wochenende ist so viel los in den Bergen. Warum also nicht einfach mal mitten unter der Woche „carpe diem“ sagen und die Arbeit ein paar Stunden nach hinten schieben? Die Tourenski, die ich mir bereits am Abend zuvor bei iko in Raubling ausgeliehen habe, warten schon im Kofferraum. Ein wahres Vogelkonzert begrüßt mich, als die Sonne langsam hinter den Bergen aufgeht.

Unser Ziel: das Griesner Kar im Wilden Kaiser und dann die 2.085 Meter hohe Goinger Scharte. Ein Klassiker unter den Skitouren hier in der Region, für mich Premiere. Vom Parkplatz an der Griesner Alm im Kaiserbachtal ziehen schon die ersten Gruppen los. Alleine sind wir nicht. Schon nach wenigen Metern lege ich die Harscheisen an. Die Spur ist ziemlich gefroren, ich rutsche immer wieder weg. Einige Meter weiter oben trifft es dann auch die Gruppe der durchwegs älteren Tourenprofis, die mit uns gestartet ist. Das beruhigt mich und lässt mich nicht völlig an mir und meiner Gehtechnik Skizweifeln – obwohl ich mich bei dem langen Aufstieg in der unteren, sehr schattigen und deshalb eisigrutschigen Hälfte schon des Öfteren frage, warum ich mir das Tourengehen eigentlich antue und nicht lieber bei dem bleibe, was ich wirklich gut kann: einfach abfahren. Wobei das alpine Naturerlebnis – zugegeben – schon ganz etwas anderes ist. Vor allem auch bei dieser Tour. Immer mal wieder bleibe ich stehen und sauge die traumhaft zerklüftete Kulisse des Wilden Kaisers aus dieser mir völlig neuen Perspektive in mich auf.

Nach knapp drei Stunden haben wir die 1.079 Höhenmeter dann geschafft. Für die steile Scharte am Ende, wo der Schnee von der Frühjahrssonne schon relativ weich war und wenig Halt gab, musste ich schon noch ein paar physische und mentale Reserven locker machen. Aber sobald man oben steht, sind die Mühen und Strapazen des Aufstiegs schnell vergessen; und seine vielen Spitzkehren, die ich wohl nie so richtig elegant lernen werde. Der Ausblick ist einfach genial: auf der einen Seite über alle Gipfel gen Osten, auf der anderen Seite der Scharte ins weite westliche Kaisertal und ein wenig auf die Aufstiegsroute zum Ellmauer Tor, wo wir die Woche zuvor waren. Wir bleiben nicht lange oben, denn die Sonne brennt schon ganz schön herunter und der Schnee wird nicht besser. Die Abfahrt im Firn macht im oberen, rund 35 Grad steilen Drittel richtig Spaß, obwohl meine Beine schon ziemlich leer sind vom langen Aufstieg. Weiter unten ist es dann zum Teil noch relativ hart. Dass die Tour eine sehr viel begangene ist, merkt man an den eingefahrenen Hängen. Am Wochenende bei schönem Wetter ist hier sicher die Hölle los. Gut, wenn man Tage wie diese spontan nutzen kann.

  • Routeninformationen
Starthöhe: 1.006 Meter
Höhendifferenz: 1.079 Meter
Gehzeit: etwa 3 Stunden (Aufstieg)
Endhöhe: 2.085 Meter
Gebirge (Region): Kaisergebirge
Beste Tourenzeit: März bis Mai
Einkehrmöglichkeit: Griesner Alm am Ausgangspunkt
Ausgangspunkt: Parkplatz Griesner Alm (1.006 m)
   
Anfahrt: Über die A12 Inntalautobahn nach
Oberaudorf. Richtung Niedern
dorf, dann nach Kössen. Im Kreisverkehr
rechts Richtung St. Johann
zur Griesenau. Dort rechts ins
Kaiserbachtal (mautpflflfl ichtig).

 

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