Ein schwimmender Silberpfeil mit Multifunktion

Christian Topel

Foto: Klepper

Wie von „Q“entwickelt. Der Tüftler aus den James Bond Filmen fände an der neuesten Errungenschaft der Klepper Faltboot AG garantiert Gefallen. Mit dem Backyak bringen die Rosenheimer ein einzigartiges Multifunktionssportgerät auf den Markt.

Es schwimmt. Wahnsinn. Was auf den ersten Blick nicht besonders bahnbrechend klingt, zumindest nicht für ein Boot, lässt eine zweifelnde Landratte zumindest etwas ruhiger in den Chiemsee stechen. Noch vor zehn Minuten lag die silberne Carbon-Zigarre mit Platz für zwei Erwachsene und ein Kind in sechs Teile zerlegt am Ufer. Jetzt paddeln wir darin aufs offene Wasser hinaus, geraten aufgrund kräftigen Nordostwinds, respektabler Wellen und extremer Unbedarftheit ziemlich ins Schaukeln, drohen aber – den aufblasbaren Sicherheitsluftschläuchen sei Dank – nicht ansatzweise zu kippen. Da staunen selbst die Stockenten.

Nun ist ein leicht zu transportierendes, einfach zu zerlegendes Kajak keine Sensation. Bekanntlich baut Klepper seit 1907 solche Boote – damals wie heute in liebevoller Handarbeit im Rosenheimer Werk –, die im Grunde aus nicht viel mehr bestehen als aus einem zwar stabilen, aber zerlegbaren Holzgerüst mitsamt flexibler Bootshaut. Keine Gefährte für reißende Wildwasserfahrten, für Verfolgungsjagden zwischen Geheimagenten. Eher Fahrzeuge für Entdecker auf großer Expedition. Mehr Albert Schweitzer denn James Bond. Mit viel Stauraum und Beinfreiheit, im Grunde unsinkbar. Wenn man so will, steht Klepper für grundsolide Tradition. Eine Liebhaberei für sportliche Nostalgiker.

Und nun das! Ein glänzendes Carbongeschoss, das eindeutig auf den sogenannten „Funfaktor“ setzt. 5,40Meter lang, 60 Zentimeter breit ist das Boot, das man – und das ist der Clou an der Sache – zuerst gar nicht als solches identifiziert. Der Bootskörper nämlich lässt sich in jene genannten sechs Teile zerlegen. Die fügen sich so ineinander, dass die beiden mittleren jeweils die äußeren, schmaleren Bootsteile aufnehmen und sich dadurch in tonnenförmige Tragetaschen verwandeln. Hightech-Rucksäcke im Format 90 × 60 × 40 Zentimeter, mit Platz für die ebenfalls teilbaren Paddel. Knappe zehn Kilo wiegt so ein Paket. Auf dem Wasser soll es 250 Kilogramm vertragen.

Schon allein damit ein, Entschuldigung, ganz schön geiles Gadget. Wenn schon Innovation, dann gleich gescheit, scheint sich Klepper aber gedacht zu haben, und treibt die Verwandlungskunst seines Multitalents auf die Spitze. Genauso gut hätten wir die Segmente nämlich anders zusammenfügen und zusätzliches Zubehör – Addons nennt Klepper das  Aufbrezelmaterial – anbringen können In zwei Teile zerlegt, jeweils ein stumpfes Ende an die beiden Hauptsektionen angebracht, entstehen zwei 2,70 Meter lange Spaßboote. Aus Heck mach´ Bug sozusagen. Vor diesen Flitzern würden die Stockenten Flügel über Kopf Reißaus nehmen...

Was Gemächlicheres gefällig? Verbindet man die beiden Bötchen mit zwei Carbongestängen und spannt  eine Membran dazwischen, wird flugs ein schwimmendes Sonnendeck aus dem Backyak – das man sogar per Elektromotor als Floß verwenden kann. Karibische Gefühle keimen auf, wenn man mit Segel statt Motor ein Katamaran aus dem Doppelrumpf zimmert. Und jetzt kommt´s: Das Teufelsteil schreckt auch vor Temperaturstürzen nicht zurück. Gletscher statt Karibik – kein Problem, dank eines genialen Kufensystems. Kieloben gedreht gleitet der Backyak in Bobmontur verschneite Berge hinab.

Bei der Herstellung seines Carbonquintetts bricht Klepper sanft mit einer weiteren Tradition: Den Backyak  bauen nicht allein die Rosenheimer Mitarbeiter. Während im Stammsitz natürlich nach wie vor jedes klassische Faltboot – beginnend mit dem gewissenhaften Zuschneiden und Zusammennähen der Bootshaut, endend mit der zur Qualitätskontrolle einmaligen, kompletten Montur – von Hand gefertigt wird, stammen die Kohlefaserteile für den Carbonmulti aus der Nähe von Berlin. Mitentwickelt hat den Prototyp das Innsbrucker Architektur- und Designbüro Klaszkleeberger.

Am heimischen Chiemsee paddeln wir trockenen Fußes zurück ans Ufer. Mit den Enten schnattern  einige Gäste des Feldener Badehauses um die Wette. Kleppers Silberpfeil zieht die Blicke auf sich. Also reichen wir die Ruder weiter. Mittwochs und samstags sind Testpaddler willkommen.

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