Ein Paradegipfel mit Panoramablick

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Skitour in den Kitzbüheler Alpen: über die Wildschönau zum Sonnjoch (2.287 m)

 

Kalt und schattig ist es noch frühmorgens am Parkplatz. Umso schneller wollen wir in die Sonne, die sich weiter oben schon am Himmel zeigt und den Schnee leuchten lässt. Hinauf auf den Gipfel, um dann die weiten Hänge im perfekten Pulver wieder hinunter zu schwingen. Das Sonnjoch (2.287 m) oder Sonnenjoch, die Angaben und Beschilderungen variieren hier, gilt als Parade-Skitourengipfel in den Kitzbüheler Alpen. Drei Täler überblickt man dort oben: die Wildschönau, das Alpbachtal und die Kelchsau. Und von jedem der Täler führt eine schöne Skiroute hinauf – aus der Zillertaler Richtung aus dem Märzengrund, von der Kelchsau aus vom langen Grund. Wir wählen den Aufstieg aus der Wildschönau, einem der schönsten Tourengebiete der Ostalpen.


Das Hochtal in den Kitzbüheler Alpen in Tirol mit seinen vier Orten Niederau, Oberau, Auffach und Thierbach bietet zahlreiche attraktive Routen unterschiedlicher Länge. Beliebter Ausgangspunkt für Touren auf das Breitegg (1981 m), das Feldalphorn (1923 m), den Großen Beil (2309 m), den Lämpersberg (2202 m) oder eben auf das Sonnjoch (2287 m) ist die Schönangeralm (1173 m) am Ende des Tales in Auffach. Dort gibt es einen kostenlosen Parkplatz für alle Tourengeher. Und von dort sind es knapp 1.200 Höhenmeter hinauf auf das flache Gipfelplateau des Sonnjochs. 1.200 Höhenmeter, die verdammt lang und intensiv werden können, wenn das Tempo gleich vom Parkplatz weg ziemlich schnell und der Puls schon dort etwas zu hoch ist. Selbst schuld, wenn man sich als Frau allein mit drei konditionsstarken Männern auf den Weg macht. Einkehrmöglichkeiten auf dem Weg hinauf gibt es nicht, der Rucksack ist deshalb ziemlich voll mit Getränken, Proviant, Wechselwäsche und LVSAusrüstung. Aber genau deshalb, weil hier keine bewirtschafteten Hütten stehen, ist die Tour auch so schön. Keine Menschenmengen, es sind nur die unterwegs, die diese zum Großteil noch unberührte Natur hier – die Wildschönau gilt als sauberstes Hochtal Europas – auch zu schätzen wissen und sich mit eigener Kraft den Weg suchen.


Die insgesamt sehr abwechslungsreiche Route führt anfangs flach bis unterhalb der Kundlalm. Weiter geht es durch den Wald und über den sogenannten Kastensteig. Die Schneedecke reicht hier noch nicht ganz aus, weshalb wir die Ski abschnallen und ein kurzes Stück tragen. Technisch ist es schon ein bisschen anspruchsvoll hier hinauf in Richtung Gressenstein-Wasserfall bis hinauf zur Gressenstein Alm auf 1.805 m Seehöhe. Laut Sage hat sich einst ein der Hölle entsprungener Teufel die Alm als Aufenthaltsort erkoren. Er wollte den damaligen Bau der Antoniuskapelle mit einem Steinwurf verhindern, wurde aber mit Glockengeläut vertrieben, das auch den Stein zerklüftete.

 

Der Teufel zog sich mit Pest- und Schwefelgestank daraufhin in die Unterwelt zurück. „Den Glockhausstein“ kann man heute noch sehen und darin des Teufels Krallen angeblich erkennen. Wir wollen an diesem sonnigen Tag nichts vom Teufel wissen und ziehen lieber schnell weiter in Richtung Gipfel. Der letzte, weite Hang hinauf ist noch einmal steil und fordert die letzten Reserven. Jeder geht inzwischen sein Tempo, weshalb wir ziemlich weit auseinandergezogen unterwegs sind. Oben auf dem überraschend flachen und großen Gipfelplateau wartet ein an diesem Sonnentag gigantischer Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Ein Blick, für den sich immer wieder jeder Schweißtropfen lohnt und den alle unglaublich genießen. Zumindest sehen die strahlend-zufriedenen Gesichter der anderen Gipfelstürmer um
uns alle so aus. 

Umziehen, Kraftreserven wieder auftanken, Felle runter und einpacken,Bindungen und Skischuhe in den Abfahrtsmodus einstellen, nochmaliger ABS- und LVS-Check und los geht es wieder zurück ins Tal. Die Männer dabei immer auf der Suche nach noch unberührtem Weiß, das sich auch findet. Der eine oder andere satte Abflug wird dafür schon mal in Kauf genommen. Aber es ist alles gut gegangen und auch die ganze Ausrüstung hat sich wieder gefunden. Vor dem letzten Stück unterhalb der Gressensteinalm hinunter Richtung Schönanger Alm/Auffach teilen wir uns. Die von oben ziemlich anstrengend aussehende, verdammt enge Spur durch den Wald verweigere ich und nehme die Abfahrt über die Fahrstraße. Die stellt sich jedoch als ziemlich langweilig heraus. Die anderen kommen mit zufriedenen Gesichtern unten an. Na ja, sie würden es sowieso nicht zugeben, wenn es nicht so prickelnd gewesen sein sollte. 

Beim genussvollen „Après“ auf der Sonnenterasse der Schönangeralm sind die weniger schönen letzten Meter schnell vergessen, das Fazit des Tages durchwegs positiv. Das frühe Aufstehen, der Weg und die Mühen wurden einmal mehr belohnt: mit einem abwechslungsreichen Aufstieg in unberührter Natur, mit einer grandiosen Aussicht am Gipfel, mit einigen schönen Schwüngen im Powder in der oberen Hälfte und einmal mehr mit einem großen Glücksgefühl, das man nach so einem Tag in den Bergen mit nach Hause nimmt.

  • Routeninformationen
Anforderung:  mittel
Höhendifferenz:  1.183 Meter
Gehzeit:  ca. 3 Stunden
Distanz:  7,09 Kilometer
Gebirge (Region):  Kitzbüheler Alpen
Gipfel:  2.287 Meter
Einkehrmöglichkeit:  Gasthof Schönangeralm (1.173 m)
Ausgangspunkt:  Gasthof Schönangeralm (1.173 m)
Parkplatz:  Gasthof Schönangeralm (1.173 m)
Beste Tourenzeit:  Dezember bis April
Anfahrt:

 Inntalautobahn bis Wörgl, von dort in die Wildschönau und durch die Oberau, Auffach in die  hintere Wildschönau zum Gasthof Schönangeralm (1.173 m)

   

 

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