Ein Logenplatz über den Wolken

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Eine Herbst-Tour auf den Brünnstein im Inntal belohnt am Gipfel mit einem ganz besonderen Ausblick.

Es war so ein typischer Tag im Herbst: Unten im Tal drückte zäher, feucht-kalter Nebel auf die Stimmung. Man wusste genau: Ein bisschen weiter oben scheint die Sonne. Also nichts wie rauf‘ auf die Berge, durchatmen, sich die Seele von den Sonnenstrahlen wärmen lassen und den faszinierenden Ausblick von oben auf das Nebelmeer unten genießen. Ein kurzer Anruf und Pia Widmesser, eine der weltbesten Freeriderinnen, war spontan mit dabei.

Die 28-Jährige liebt die Berge – und das nicht nur im Winter, wenn sie sich auf zwei Brettern Steilhänge hinunterstürzt. Unser Ziel diesmal: der 1.634 Meter hohe Brünnstein im Mangfallgebirge. Der liegt nah, hat nicht so viele Höhenmeter und ist deshalb auch schnell am Vormittag zu schaffen. Und vor allem: Weil er mit seiner majestätischen Gipfelflanke mit dem Gipfelkreuz auf dem Ostgipfel und der kleinen Kapelle im Westen ein echter Logenplatz über dem Inntal ist.

Wege hinauf bis zum Gipfelaufbau der Aussichtskanzel des Brünnsteins gibt es viele. Einer der meist begangenen ist der Weg vom Norden hinauf von der Rosengasse/Sudelfeld vorbei an der Rosengassenalm, der Baumoosalm, der Seeonalm und der Himmelmoosalm. Wir entscheiden uns aber für eine weniger begangene Variante von der Südseite her, wo im Herbst deutlich mehr Sonne scheint. Start ist am Parkplatz an der hinteren Gießenbachklamm (780 Meter) bei Kiefersfelden. Kalt ist es unten im Nebel am Parkplatz, Mützen auf, Jacken zu und los geht es. Wir halten uns westlich und gehen nicht die Hauptroute über die Forststraße hinauf, sondern zweigen rechts auf einen kleinen Pfad im Wald ab. Schon auf dem Steig hinauf wird es heller, als sich die ersten Sonnenstrahlen durch den Nebel kämpfen.

Oben an der verschlossenen Herrenalm lassen wir den Nebel endgültig hinter uns. Es wird mit jedem Schritt sonniger und wärmer, so dass wir eine Schicht nach der anderen ablegen. Viel begangen ist der Weg, der jetzt quer über die Almwiesen führt, wirklich nicht. Außer uns ist bisher kein Mensch unterwegs, was wir sehr genießen. Oben im Himmelmoos treffen sich die diversen Brünnstein-Wege und führen dann alle weiter zum frisch renovierten Brünnsteinhaus.

Den Gipfel kann man über die Südwestflanke über einen leichten, gesicherten Steig begehen oder über den Julius-Mayr-Steig, der über steiles Felsgelände und durch eine enge Felsspalte führt, was Trittsicherheit sowie ein wenig Schwindelfreihet erfordert. Wir entscheiden uns für die Südwestflanke hinauf und den Klettersteig hinunter.

Oben am Gipfelkreuz, wo schon ein paar neugierige Bergdohlen krähen, erwartet uns ein optischer Genuss: Ein eindrucksvoller Blick auf das Panorama des gesamten Inntals und den Chiemgau hinüber zum Zahmen Kaiser und Wilden Kaiser, im Süden die Kitzbüheler Alpen bis zu den Schneegipfeln der Hohen Tauern und Zillertaler Alpen.

Einsaugen, genießen und speichern – schließlich müssen wir wieder hinunter, wo die kalte Nebelsuppe wartet.

  • Routeninformationen
  • Galerie

 

Charakter: Schöne, nicht allzu anstrengende Wanderung, die auch mit bergerfahrenen Kindern gut zu bewältigen ist. Der mit Stahlseilen gesicherte Weg zum exponierten Gipfel erfordert dann etwas Trittsicherheit.
   
Gehzeit:  ca. 4 Stunden
   
Gebirge (Region):  Mangfallgebirge
   
Einkehrmöglichkeit: Brünnsteinhaus (Telefon +49(0)8033/ 1431, www.bruennsteinhaus.de)
   
Beste Tourenzeit: Mai bis Oktober
Anfahrt:

Über Bayrischzell oder Brannen- burg zur Rosengasse oder über die Inntalautobahn, Ausfahrt Oberaudorf, dann Richtung Kiefersfelden/Breitenau/Gießenbach, Parkplatz Hintere Gießen- bachklamm.

   
Nähere Infos: Wanderkarte Oberbayerisches Inntal vom Kur- und Verkehrsamt Oberaudorf, Telefon +49(0)8033/30120

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