Ein langer, aber lohnender „Hatsch“

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Skitour zum Salzachgeier (2.466m) über die Kelchsau in den Kitzbüheler Alpen 

Frisches Weiß in den Bergen – und strahlender Sonnenschein. Ein ganz seltener Glückstag in diesem Winter, der seinem Namen bisher nicht allzu große Ehre gemacht hat. Also los und den Tag nutzen: Lawinenlagebericht studieren, Ausrüstung checken und eine Tour auswählen, die ein sportives wie landschaftliches Erlebnis zu sein scheint und vor allem relativ sicher ist. Denn aufgrund des heiklen Schneedeckenaufbaus in diesem Winter ist absolute Vorsicht geboten. Die Wahl fällt einmal mehr auf die Kelchsau in den Kitzbüheler Alpen, diesem landschaftlich wunderschönen Tourengebiet mit seinen unzähligen Möglichkeiten. Das Ziel diesmal: der Salzachgeier, mit 2.466 Metern der höchste Gipfel in der Region – eine technisch leichte, aber eine mit zehn Kilometern Länge und insgesamt knapp 1500 Höhenmetern sehr lange Tour.

Im Gegensatz zum Inntal, wo der Schnee vom Föhn bereits wieder weggeschleckt wurde, zeigt sich das Seitental von Hopfgarten im Brixental noch winterlich weiß. Frühmorgens am Gasthof Wegscheid im Kurzen Grund fellen wir auf und stapfen los. Der Bachweg von unten im ersten Wegdrittel ist noch komplett schneebedeckt, aber hart und glatt am frühen Morgen. Harscheisen brauchen wir nicht. Immer entlang des beschilderten "Winterweges" führt der Weg hinauf zur Neuen Bamberger Hütte (DAV, 1.756m) wo etwas oberhalb eine Gruppe des österreichischen Bundesheeres die LVS-Suche übt. Weiter oben öffnet sich die Rosswildalm, ein traumhaftes Hochtal mit vielen Gipfeln ringsherum. Der Weg zieht sich, es scheint ein wahrlich langer „Hatsch“ zu werden. Der Salzachgeier (2466m) zeigt sich erst weit hinter der Bamberger Hütte, so dass wir kurz am Überlegen sind, nicht doch links zum verlockend, aber ziemlich hochalpin ausschauenden Tristkopf (2361 m) abzubiegen. Aber da wissen wir so gar nicht, was uns erwartet – und lassen es deshalb lieber. Sicherheit geht vor. Also ein wenig „beißen“ gegen die Müdigkeit in den Beinen, die sich allmählich breit macht – und sich freuen an dem wunderschönen Tag.

 

Oben am Markkirchl, einer kleinen schönen Holzkapelle, passieren wir die Grenze zwischen Tirol und Salzburg. Rechts hinten ist er endlich im Visier, der recht unscheinbare Gipfel des Salzachgeiers. Zuerst geht es aber nochmal rund 50 Höhenmeter bergab, was aber auch ohne Abfellen ganz gut geht. Auf dem breiten Boden führt die Spur wieder in südlicher Richtung bergauf, dann am Rücken gen Westen und durch eine große, flache Mulde. Endspurt in Richtung Gipfel. Der letzte steile Gipfelhang ist etwas anspruchsvoller. Die letzten Körner aus den nun doch schon leicht übersäuerten Oberschenkel holen, die Ski richtig belasten und volle Konzentration bei den Spitzkehren, um nicht auf dem Bauch zu landen. Der Gipfel ist fast schneefrei, weshalb wir ein wenig unterhalb ein Skidepot einrichten und die letzten Meter zu Fuß zum nicht allzu großen Gipfelareal samt modernem Gipfelkreuz hinaufsteigen, wo der Wind doch empfindlich kalt bläst. Ein kurzer Eintrag ins Gipfelbuch, umziehen, abfellen und dann einfach nur die großartige Aussicht auf die gesamten Kitzbüheler Alpen bis hin zur Reichenspitzgruppe und Gerlos genießen – und die Brotzeit natürlich auch. Schließlich müssen die Energiespeicher wieder gefüllt werden, damit auch die Abfahrt zum verdienten Genuss wird.

Die oberen Hänge zeigen sich mit immer noch lockerem Pulverschnee und machen richtig Spaß. Vor dem Markkirchl müssen wir für den Gegenhang noch einmal auffellen und steigen wieder hinauf zum Landesgrenzenschild Pinzgau/Tirol, bevor es wieder hinunter Richtung Neue Bamberger Hütte und von dort zurück ins Tal nach Wegscheid geht.

 

  • Routeninformationen
Anforderung: mittel
Höhendifferenz: 1.500 Meter
Gehzeit: ca. 4 Stunden
Distanz: 10 Kilometer
Gebirge (Region): Kitzbüheler Alpen
Gipfel: 2466 Meter
Einkehrmöglichkeit:

Gasthof Wegscheid (1.144 m)

Ausgangspunkt:

Gasthof Wegscheid (1.144 m)

Parkplatz:

Gasthof Wegscheid (1.144 m)

Beste Tourenzeit: Dezember bis April
Anfahrt:

Inntalautobahn bis Wörgl, dann in Richtung Kitzbühel. Rechts in Richtung Brixental/Hopfgarten. In Hopfgarten nach der Eisenbahnunterführung geradeaus in die Kelchsau bis zur Kreuzung Langer Grund/Kurzer Grund. Links zum Kurzen Grund abbiegen und bis zum kostenlosen Parkplatz Wegscheid fahren.

   

 

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