Ein Hauch von James Bond

Axel Effner

Fotos: Axel Effner / Anne Kathrin Kabitzke-Schiede

Butler Harry R. Hömpler aus Seebruck bildet international tätige Experten für Stil und Etikette aus und wirkt auch in vielen Luxushotels – ein Leben unter Stars und Milliardären.

Harry R. Hömpler bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Mit dem gewissen Etwas im Ausdruck, gepflegter Erscheinung und silbergrauen Haaren sowie der sportlichen Figur würde er glatt als der ältere Bruder von George Clooney durchgehen. Banker? Manager? Schauspieler? Man errät nicht unbedingt auf den ersten Blick, welchem verschwiegenen Beruf der 63-Jährige nachgeht.

Hömpler ist Butler. Allerdings keiner von der Sorte des leicht vertrottelten, steifen James aus dem TV-Hit „Dinner for One“. Der Beruf hat sich stark gewandelt. Er erfordert Vielseitigkeit und Spezialistentum zugleich. „Der moderne Butler nach meinem Verständnis ist umfassend ausgebildet und begegnet seinen Kunden auf Augenhöhe“, sagt Hömpler. Gefragt sind Multitalente und Alleskönner. Sie sind Koch und Sommelier, Familienmanager und Finanzberater sowie persönlicher Assistent mit umfassenden Sprach- und Technikkenntnissen in einem. Der moderne Butler ist ebenso Bodyguard mit Security-Kenntnissen wie auch Facility-Manager und: ein Gentleman mit absolut gepflegtem Äußeren. Da erhebt sich sofort die Frage, wie jemand so viele Fähigkeiten und Talente unter einen Hut bringt. Hömpler selbst war die Vielseitigkeit offenbar bereits in die Wiege gelegt: Geboren im Bremerhaven der Nachkriegszeit, machte es ihm bereits im zarten Alter von sechs Jahren Spaß, den Eltern das Frühstück am Bett zu servieren – Fliege am Hals inklusive. Die großen Schiffe im Überseehafen und die lässige Art der amerikanischen GIs weckten schon in jungen Jahren das Bedürfnis, mehr von der großen weiten Welt zu sehen. Die lernte er als Hotelkaufmann, Servicefachmann, Direktionsassistent und VIP-Sekretär mit den Gästen in Fünf-Sterne-Häusern wie dem Park Hotel Bremen, Kempinski Hotel Bristol in Berlin und im Sheraton Hotel in München kennen. Das Spektrum erweiterte sich durch Tätigkeiten als internationaler Modeberater und Exportleiter für Konen in München. Schließlich machte er sich selbstständig als Handelsunternehmer, Unternehmensberater, Coach und Trainer, unter anderem für Karriereberatung.

Dass das Leben zwischen millionenschweren Geschäftsleuten, Prominenten und exaltierten Persönlichkeiten nicht langweilig wird, ist offensichtlich, wenn man Hömpler beim Erzählen zuhört. Er erinnert sich an die Ex-trawünsche der Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef, für die er Chauffeurdienste in Berlin erledigte. Er war ebenso für thailändische Prinzessinnen, arabische Könige und russische Milliardäre im Einsatz wie für ein hochrangiges Reitturnier mit internationalen Stars, das die Gattin des österreichischen Pistolenherstellers Gaston Glock ausrichtete. „Wir waren mit vier Butlern im Einsatz. Backstage kamen wir mit Top-Sängern wie Tom Jones und Paul Anka in Kontakt“, erinnert sich Harry R. Hömpler. Den jungen Michael Jackson traf er als Hotelangestellter, als der Superstar noch zusammen mit der Familie als „Jackson Five“ auftrat. Szenen wie aus einem James-Bond-Film erlebte der Wahl-Bayer, der seit zwei Jahrzehnten in Seebruck am Chiemsee lebt, in Berlin-Charlottenburg. Dort wurde er unfreiwillig Zeuge eines Juwelierraubs mit Entführung im Taxi. Als die Polizei die Täter stellte und es einen Schusswechsel gab, pfiffen Hömpler unversehens die Kugeln um den Kopf. Genaueres dazu wird man in der Biographie des Butlers nachlesen können, die im Frühsommer nächsten Jahres erscheinen soll.

International ist die Nachfrage nach umfassend gebildeten Spezialisten für Stil und Etikette ungebrochen. Nach der Jahrtausendwende kam „Butler Harry“ deshalb auf die Idee, Butler-Kollegen mit seinem „Butlerfullservice“ zu vermitteln. Seit 2012 bietet der 62-Jährige zusammen mit erfahrenen Experten aus ganz Europa zudem auch Butler-Trainings an. Vom Renommee, der Vielseitigkeit und Tiefe der Ausbildung sowie vom modularen Aufbau her dürfte Hömplers „Butler-Trainings-Center international“ die einzige derartige Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum sein.

„Dazu ist viel Wissen und Erfahrung nötig“, erklärt der Gentleman. Rund 110 Fachgebiete werden angeschnitten. Dazu gehören Kochen und Menüplanung, internationale Etikette und Protokoll, Haus- und Gartentechnik ebenso wie Wäsche- und Kleidungsmanagement, Veranstaltungsplanung und Finanzverwaltung oder Erste Hilfe. Der künftige Butler sollte mit Bedrohungslagen ebenso souverän umgehen können wie er stilsicher den passenden Wein und Zigarre empfiehlt oder weiß, wo beim Jaguar der Knopf zum Zuschalten des zweiten Tanks sitzt. Zur Sicherheit gibt es auch den „Notfall-Koffer“ für Butler mit allerlei zweckreichen Utensilien. In exklusiven Hotellobbys schult Hömpler Mandanten und Butler-Anwärter auch darin, mit dem Blick auf Gestus und kleine Details ihre Menschenkenntnis zu verbessern. „Disziplin, Organisationsvermögen und Fremdsprachenkenntnisse sind für Butler unabdingbar“, klärt Hömpler auf. Ebenso wie absolute Verschwiegenheit, Loyalität, Seriosität und tadellose Manieren. Je nach Einsatzbereich und Zeitaufwand lassen sich damit monatlich zwischen 5.000 bis 10.000 Euro verdienen.

Ohne gute Referenzen hilft aber auch die Diskretion nicht weiter. Erfahrung in erstklassigen Hotels, gute Arbeitszeugnisse und ein einwandfreier Lebenslauf sind deshalb hilfreich. Hömplers Butler sind zudem als Gesundheitscoach und Sicherheitsmitarbeiter ausgebildet. Eine Schülerin bringt Erfahrung im internationalen Bankenmanagement mit. Die Ausbildung erfolgt in erstklassigen Hotels, Privatvillen oder auch im idyllisch gelegenen Wasserschloss Pertenstein im Chiemgau. Für die vielseitigen Talente seiner Mitarbeiter hat Harry H. Hömpler gleich den passenden Kommentar parat: „Meine Butler sind alle kleine James Bonds.“

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