Ein Guss Glückseligkeit

Christian Topel

Fotos: Aktiva Medici AG

Wellness aus dem Orient: Als Ort von Reinigungsritualen und Entspannungszeremonien pflegt das Hamam Körper und Geist.

Türkischer Tee, schwarz wie die Nacht über dem Bosporus – damit beginnt unser Besuch im Hamam. Dieses liegt tief unter der Marktgemeinde Prien, wo es im Aktiva Medici Gesundheitscenter eine orientalische Entspannungs-Enklave bildet. Hinter der eisenbeschlagenen Eichentür, in der Welt da draußen, sinken täglich die Temperaturen, ein Regentag reihte sich zuletzt an den anderen. Hier unten schimmern Kerzen, wohlige Wärme strömt durch den Raum. In einen Bademantel gehüllt fläzen wir auf flauschigen Kissen. Die Wände der Begrüßungsnische wirken wie aus Ton, von der Farbe osmanischen Wüstensands, mit Ornamenten in Paprikarot.

Der Telak gesellt sich zu uns. Das Wort bedeutet nichts anderes als Bademeister im buchstäblichen Sinn. Eine Aufgabe, die hier unten eine Frau wahrnimmt und mit Zeremonienmeisterin viel besser beschrieben wäre. Denn in die Zeremonie des Hamam-Aufenthalts führt Angelika uns nun ein. Zuerst tauschen wir den Bademantel gegen ein Leinentuch. Nur mit diesem Pestemal um die Hüften betreten wir das Zentrum des Hamams: Eine 40 Grad warme Welt aus Wasser, Dampf und Stein. Eine Atmosphäre wie in uralten Tempeln, begleitet von leisen, unaufdringlichen Klängen.

Wir füllen ein Waschbecken mit warmem Wasser und gießen es aus Kupferschalen über unsere Körper. Der erste Schritt des Reinigungsrituals, und jeder Guss ein Genuss! Ursprünglich – in der Welt des alten Orients – dienten Hamams ja vornehmlich der Körperpflege, waren spiritueller, aber vor allem auch gesellschaftlicher Treffpunkt. Heute genießen wir die Ruhe, atmen in der Duftecke mit einem Hauch von Zitrusfrüchten angereicherten Dampf, beginnen sanft zu schwitzen, und schlummern schließlich fast davon, nachdem wir uns auf die erhitzte Steinplatte gelegt und eine Weile dem Kerzenflackern zugesehen haben. Geheimnisvolle Schatten huschen über die Wände. Aus den Träumen von Tausendundeiner Nacht holt uns erst Angelika zurück...

Der Keseraum wartet, wo wir uns waschen und peelen dürfen. Mit Olivenseife, Meersalz und einem Seidenhandschuh verwöhnen wir unsere Haut. Hamammeisterin Angelika verwöhnt im Anschluss unsere Muskulatur. Auf Stein gebettet – der seltsamerweise ganz und gar nicht hart wirkt – werden wir in Seifenschaum gehüllt und massiert. Den Schaum streifen Telaks wie Angelika wolkenweise aus einem Ziegenhaarsäckchen. Eine Kunst für sich, und der Klassiker unter den Hamam-Behandlungen. Leider bleibt unser Gebet unerhört: Dass dieser Entspannungszauber niemals enden möge.
Gottlob geht die Prozedur auch außerhalb des wasserdampfigen Gewölbes noch ein wenig weiter. Gestärkt mit Ayran, jenem türkischen Salzjoghurtgetränk, lassen wir uns im Ruheraum in Wiegeliegen sinken. Wir schaukeln sanft, die Gedanken entschweben, ein Gefühl von Kindheit kommt auf, von unbeschwerter Geborgenheit. Die Wissenschaft schreibt den Hamams eine gesundheitsfördernde Wirkung zu. Während wir zurück zum Auto stapfen, spüren wir genau warum. An so einem entspannten Körper perlt Stress einfach ab, genau wie die Regentropfen an unseren Jacken...

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