Ein cleverer Schachzug

Julia Schuster

Fotos: Andreas Jacob

Schach zählt zu den ältesten und beliebtesten Brettspielen der Welt. Der Rosenheimer Schachverein bedient in Seminaren, Turnieren und freiem Spiel alle Facetten des Schachwesens.

„Es war einmal ein indischer Herrscher, der sein Land unter seiner Tyrannei in Not und Elend stürzte. Der weise Gelehrte Sissa ibn Dahir erfand ein besonderes Brettspiel, in dem die wichtigste Figur, der König, machtlos ohne die Hilfe der anderen Figuren und Bauern war. In der Hoffnung, dem Herrscher damit dessen Fehler vor Augen zu führen, ohne dessen Zorn zu entfachen, überreichte er ihm das Spiel als Geschenk. Der einstige Tyrann verstand und wurde milder. Zum Dank gewährte er Sissa einen Wunsch. Der kluge Mann antwortete: ,Ich wünsche mir lediglich Weizenkörner. Auf das erste Feld des Spieles eines, auf das zweite zwei, auf das Dritte wiederum das Doppelte, also vier, und so weiter, bis auf allen Spielfeldern Körner liegen.‘ Der Herrscher war verwundert über die Bescheidenheit des Mannes, willigte jedoch ein, nicht ahnend, dass er Sissa soeben mehr als 18 Trillionen Weizenkörner versprochen hatte.“

Über die Entstehung des Schachspiels ranken sich zahlreiche Sagen und Spekulationen. Die Weizenkornlegende ist die wohl bekannteste Geschichte. Erwiesen ist allerdings, dass etwa im fünften Jahrhundert „Caturanga“, ein Vorläufer des heutigen Schachs, in Indien ein beliebtes Brettspiel war. Basierend auf den damaligen indischen Armeen wurden die Figuren den Elefanten, Pferden, Wagen, Boten, Generälen, Offizieren und Fußsoldaten nachempfunden, die den König verteidigten. Bald erreichte das Spiel auch Persien, wo es den Namen „Schah“ erhielt, das persische Wort für „König“. Hinzu kam der Begriff „matt“, der im Persischen „hilflos“ bedeutet. Im frühen Mittelalter fand Schach schließlich auch seinen Weg nach Europa, wo es seit Beginn des 13. Jahrhunderts zu den sieben Tugenden der Ritter galt.

Heute erfreut sich Schach, auch genannt das „Königliche Spiel“, als populärstes Brettspiel in Europa. Es wird sowohl zum Vergnügen als auch wettkampfmäßig gespielt. Im November dieses Jahres wird der amtierende Schachweltmeister Magnus Carlsen aus Norwegen seinen Titel in London verteidigen.

Auch regional treffen sich seit 2016 aktive Schachspieler aller Altersgruppen in den Räumlichkeiten der „Sommer Informatik GmbH“ in der Sepp-Heindl-Straße in Rosenheim zum wöchentlichen Spiel. In gemütlicher Atmosphäre kommt dabei topmoderne Technik zum Einsatz: der Schachcomputer „Fritz 13“ begleitet jedes Training und analysiert diverse Spielzüge. Dank des großen Bildschirms haben alle Mitglieder des Rosenheimer Schachvereins die Möglichkeit, daran teilzuhaben.

In laufenden Vereins- und Mannschaftsmeisterschaften stellen die Schachspieler regelmäßig ihr Können unter Beweis. Zudem tauchen sie in Lehr- und Analyse-Seminaren einmal monatlich gemeinsam mit interessierten Gästen in die Tiefe des Schachwesens ein. Dafür hat sich der Rosenheimer Schachverein einen internationalen Meister ins Boot geholt. Nichtsdestotrotz stehen bei den Trainings vor allem die Gemeinschaft und der Spaß am Spielen im Vordergrund. So kommt es gelegentlich vor, dass der große Computerbildschirm auch mal als Fernseher dient, um ein Fußballspiel anzusehen.

Ein besonderes Anliegen ist dem Verein die Förderung der Jugend. Acht Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 17 Jahren werden jeden Dienstag von 18:00 bis 19:00 Uhr durch Jugendtrainer Andreas Geltinger individuell in der Kunst des Spiels unterrichtet. Jährlich werden bis zu vier Jugendmeister vereinsintern feierlich gekürt. Ab 19:00 Uhr trainieren dann die Erwachsenen. Auch Nicht-Vereinsmitglieder haben die Möglichkeit, an offenen Jugend- oder Erwachsenenturnieren sowie an den Schachabenden teilzunehmen. Letztere finden auch an Freitagen statt.

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