„Eigentlich ganz cool“

Im Klettersteig finden auch Jugendliche Spaß am gemeinsamen Bergerlebnis. Der Grünstein ist besonders familientauglich und belohnt mit einem perfekten Ausblick auf das Berchtesgadener Land und den Königssee.

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Allein in Bayern gibt es derzeit über 50 Klettersteige – und es werden immer mehr. Die Kraxelei in den mit Stahlseilen und Eisenleitern gesicherten Steigen boomt, bestätigt auch Hansi Stöckl. Der 32-jährige Bergführer arbeitet für die „Salewa Klettersteigschule“ in Berchtesgaden. Ein lässiger, sympathischer Typ mit viel Gespür für sein Klientel: „Echt eine harte Sache für Dich, an einem schulfreien Tag so früh aufstehen und alleine mit Deinen Eltern etwas unternehmen zu müssen“, begrüßt er augenzwinkernd den sportlichen, aber bisher absolut nicht bergsportbegeisterten 15-jährigen Bastian. Der erste Bann ist damit gebrochen.

Mehr als 1.000 Gäste besuchen hier in der Saison den Grünstein-Klettersteig, darunter sehr viele Familien. „Klettersteige eignen sich perfekt, um bei Kindern und Jugendlichen die Begeisterung für den Bergsport zu wecken. Bergtouren an sich sind ihnen oft zu langweilig, doch rumkraxeln tun sie eigentlich alle gerne. Für mich ist zehn Jahre ein gutes Einstiegsalter. Vorher sind sie oft noch zu klein und kommen deshalb nicht richtig ans Seil“, sagt Hansi. Der sinnvolle Einstieg in den Sport empfiehlt sich an einen geführten Klettersteigkurs oder Schnuppertag wie diesem. Hansi prüft das mitgebrachte Material oder gibt Leihmaterial aus. Er erklärt, was es mit dem sogenannten Bandfalldämpfer in modernen Klettersteigsets auf sich hat, warum nur ein Kletterhelm auch wirklich vor Steinschlag schützt und dass vor jedem Einstieg in den Klettersteig der Partnercheck der Ausrüstung ein absolutes Muss ist. Dann lässt er seine Gäste am Übungsfelsen das richtige Sichern und die richtige Steigtechnik üben. „So sehen wir schnell, wie fit die jeweilige Gruppe ist und welche Variante des Klettersteigs wir mit ihnen gehen können.“

Lachen und große Begeisterung zu zeigen ist uncool für einen 15-Jährigen, doch dass es ihm Spaß macht, sich den steilen Felshang an den Eisenleitern hoch zu hangeln, ist nicht zu übersehen. Weil er und seine Eltern sich ziemlich gut anstellen, entschließt sich Hansi nach 20-minütigem Aufstieg für die schwierigere „Räuberleiter“-Variante des Grünstein-Klettersteigs, wo gleich die ersten Höhenmeter im zum Teil überhängenden Gelände eine echte Herausforderung sind. „Ältere Kinder und Jugendliche haben meist von mentaler Seite keine Schwierigkeiten und sind auch mit der Sicherung sehr sorgsam. Es wird eher ein Problem, wenn sie unterfordert sind und deshalb anfangen, Blödsinn zu machen“, erklärt der Bergführer.

An Blödsinn denkt heute keiner, sportlich gefordert sind alle drei Familienmitglieder. Eine geniale Aussicht auf den weit unten liegenden Königssee tut sich auf, doch der Blick geht schnell wieder hinauf zu einer weiteren, leicht überhängenden Klammerreihe, wo die Unterarme allmählich schwach werden und Hansi kurz stützend und motivierend eingreifen muss. Nach rund zweieinhalb Stunden sind die knapp 700 Höhenmeter geschafft. „War eigentlich doch ganz cool“, sagt Bastian zu Hansi, als der ihm oben zum Gipfelerfolg gratuliert.

  • Routeninformationen
  • Bildergalerie
Wandhöhe: 400 Meter
Klettersteiglänge: 670 Meter
Gehzeit: etwa 2 bis 3 Stunden
Schwierigkeitsgrad: A bis E
Gebirge (Region): Berchtesgadener Alpen
Beste Tourenzeit: Mai bis Oktober
Einkehrmöglichkeit: Grünsteinhütte (1.220 Meter)
Ausgangspunkt: Parkplatz Königssee
   
Anfahrt: Autobahn A 8 München – Salzburg. Ausfahrt Bad Reichenhall.
Richtung Berchtesgaden (B 20).

 

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