Do samma dahoam

Christian Topel

Fotos: Stefan Erdmann

Sein Dokumentarfilmprojekt zeigt die geballte Schönheit seiner Heimat: Stefan Erdmann hat mit der Kamera Chiemsee, Chiemgau und Alpenland erkundet.

Ursprünglicher Berufswunsch: Rockstar, na klar. Mit seiner grauen Wallemähne sieht Stefan Erdmann  ja auch ein wenig aus wie Robert Plant, Sänger der legendären Rockband „Led Zeppelin“. Aus dem  Jugendtraum ist fast Realität geworden. Erdmann steht heute tatsächlich auf der Bühne und reißt sein Publikum zu Begeisterungsstürmen hin – wenn auch weniger rockend, als vielmehr erzählend. Unter der Dachmarke „Abenteuer-LIVE“ präsentiert der Filmer und Fotograf in Rosenheim regelmäßig faszinierende Multivisions-Shows über ferne Länder. Besondere Kennzeichen: die jahrelange Annäherung an Land und Leute, und eine außergewöhnlich  persönliche Herangehensweise. So geriet sein Vortrag „ISLAND 63° 66° N“ zu einer regelrechten  Liebeserklärung. Da zückt so mancher Zuschauer ergriffen sein Taschentuch...

Seit 2010 durchstreift der Weltenbummler nun eine Gegend, die der Wahl-Chiemgauer als Paradies  bezeichnet. Dabei schweifte er ausnahmsweise mal nicht in exotische Länder, sondern entdeckte quasi  die Schönheit vor der eigenen Haustüre. „HEIMAT 46° 48° N | Chiemsee – Chiemgau – Alpenland“  taufte Erdmann sein aktuelles Projekt. Wie schon über Island entsteht auch hier eine dreiteilige Dokumentation. Und wiederum verlässt sich der aus der Werbebranche ins „Infotainment- Fach“ gewechselte Naturfilmer auf sein unvergleichliches Gespür für die vielen Facetten seiner – und unserer – Heimat, sowie auf die ihm innewohnenden Talente in Sachen Filmproduktion.

Aus weit über hundert Stunden Filmmaterial gilt es die Essenz herauszufiltern. Erdmann filmt ja nicht  nur selbst. Er schneidet, spricht, ja komponiert sogar die Musik. Da wurde so manche Nacht zum Tage, seit er auf die heimatliche Spurensuche ging. Nicht ganz unschuldig an dem Unterfangen ist Stefan Erdmanns Frau Sabine. 2002 lernte er die gebürtige Traunsteinerin kennen. Eigentlich in München lebend verbringt das Paar seine Freizeit oft bei Sabines Verwandtschaft in der Nähe von Truchtlaching an der Alz. „Als wir 2008 nach Unterwössen gezogen sind, lernte ich die Vielfalt und Schönheit der Landschaften noch intensiver kennen und lieben“, erinnert sich Erdmann. Die Dreharbeiten ergaben sich somit zwangsläufig. „Während Schönwetterphasen bin ich oft wochenlang Tag und Nacht in den Bergen und an den Flüssen und Seen unterwegs gewesen“, schildert der „Heimatkundler“ den Entstehungsprozess seines Films.

 

Trailer: "HEIMAT 46° 48° N"

Unbezahlbares Utensil: Geduld. Denn diese Momente, die Zuschauern den Atem rauben, lassen sich nicht erzwingen. Wenn Morgennebel die Kampenwand umhüllt, klettert der Filmer auch mal vergebens auf dem Berg herum. Wenn er andererseits von seinen Eindrücken schwärmt – von der Aufgeschlossenheit  der Senner zum Beispiel, droben auf den Almen, oder von dem Frieden, der sich breit macht, wenn er auf einem Gipfel übernachtete und von Kuhglocken, Vogelgezwitscher und Sonnenstrahlen geweckt  wurde –, dann spürt man, welch berührende Hommage dieser Film werden wird. „Nichts ist inszeniert, alles authentisch, unaufgesetzt und erlebt“, verspricht der Abenteurer. Ihm sei es wichtig zu zeigen, welche Schönheit uns umgibt. „Ich versuche unaufdringlich und ohne erhobenen Zeigefinger dafür zu plädieren, genau das zu bewahren und zu erhalten“, betont Erdmann.

Ab Mitte März zeigt er den ersten Teil seiner Heimat-Trilogie in verschiedenen  Städten und Gemeinden der Region. Wie gewohnt wird er dabei den gesamten Film live kommentieren und nicht nur die traumhaften (neben der bis zu 30 Kilogramm schweren Ausrüstung) Landschaften beschreiben, sondern auch viele unterhaltsame Anekdoten zum Besten geben. Wer Glück hat, wird vielleicht irgendwann eine Art „Heimatabend 3.0“ erleben. Denn so ganz aufgegeben hat Erdmann den Traum vom Rockstar dann doch nicht. Die Planungen reifen noch, aber wer weiß, womöglich steht er eines Tages mit Gitarre auf der Bühne...

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