Die Vielfalt von Bieren erschmecken

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob

In ihrem neuen Schalander lädt die Privatbrauerei Schnitzlbaumer dazu ein, in die Welt kreativer Bierkultur einzutauchen. Lecker Essen gibt‘s obendrauf.

Als Stephanie und Philipp Frauendörfer vor zwei Jahren die Privatbrauerei und den Brauereiaus- schank Schnitzlbaumer im Herzen Traunsteins übernahmen, machte es sich das Ehepaar ganz klar zur Aufgabe, Traunsteins ältester Brauerei frischen Wind einzuhauchen. Und diesen Tatendrang spürt, sieht und schmeckt man seither an allen Ecken und Enden: Sei es, dass Braumeisterin Stephanie den klassischen Export-, Weißbier-, Pils- und Doppelbock-Sorten das „Schnitzlbaumer Vollbier Hell“ hinzufügte, oder dass Chefkoch Simon Ullrich im Brauereiausschank aus regionalen Zutaten neben köstlichen Klassikern auch kreative Schmankerl zaubert. Mit dem frisch renovierten „Schalander“ bieten die Vollblut-Gastgeber nun eine neue Attraktion für Freunde des modernen Biergenusses.

Schalander: das Wort ist vor allem betagteren Brauereimitarbeitern noch ein Begriff. Denn so bezeichneten sie lange Jahre ihren Aufenthalts- und Speiseraum. Deutlich früher, als Brauer noch auf die Walz gingen, diente der Schalander den Wandersgesellen der Brauerzunft auch als Schlafraum. Einzig der „Schrulle“, als ungelernte Hilfskraft für niederste Arbeiten zuständig und somit ganz unten in der Brauerhierarchie stehend, durfte seine Füße nicht in den Schalander setzen! Im Laufe der Zeit übernahmen mehr und mehr Maschinen und Automaten bestimmte Brauvorgänge. Die Brauereien benötigten immer weniger Personal. Die Schalander verloren ihren ursprünglichen Zweck. Nun machten diese Räume aber nicht selten ganz schön was her. Die originellen Wandmalereien und uriges Mobiliar riefen geradezu danach, den Raum in den laufenden Gasthofbetrieb zu integrieren – als separate Stube oder Ort für gesellige Bierverkostungen. Eine Idee, auf die sich Stephanie und Philipp Frauendörfer jetzt besonnen, als sie den „Schalander“ der Privatbrauerei Schnitzlbaumer ins Leben riefen. „Hier möchten wir bayerischer Bierkultur ein modernes Ambiente geben“, sagt das Ehepaar. Im imposanten Gewölbekeller haben Frauendörfers eine reichhaltige „Pro-Bier-Bar“ eingerichtet.

„In lockerer Atmosphäre laden wir Gäste ein, unsere Biere und Speisen zu genießen“, erklärt Philipp Frauendörfer. Auf Hungrige warten sowohl wechselnde Kreationen der Saison als auch die beliebten Leckereien der Speisekarte. Im Mittelpunkt jedoch sollen die Biere stehen. Neben den Schnitzlbaumer Klassikern – ganz aktuell hat die Braumeisterin die alte Weißbier Rezeptur verfeinert – werden die unter dem Namen „Headless Brewing Company“ produzierten Spezialbiere kredenzt. Und dabei gibt es für aufgeschlossene Gaumen mitunter überraschende Entdeckung zu machen.

Bei ihrer Gründung im Jahr 2013 machten es sich die drei Bier-Enthusiasten der „Headless Brewing Company“ (einer davon Phillip Frauendörfer) zum Ziel, außergewöhnliche Biere zu brauen, quasi als Beitrag zur „Craft- Beer-Revolution”. Was kommt da alles in die Krüge? Nun, da wären zum einen die „all-seasons-Biere“, also Sorten, die das ganze Jahr über gebraut werden.

Darunter das „Indian Clipper“ als typisch-amerikanisches IPA und Hommage an den amerikanischen Centennial Hopfen; oder das „Night Flight“, gebraut nach Art eines amerikanischen Cascadian Dark Ale. Den erntefrischen Cascade Hopfen holen die findigen Brauer nach der Trocknung direkt beim Bauern aus Tettnang; oder das „Headless Reunion Pils“, ein „American Bohemian Pils“, das ein klassisches Pils mit dem amerikanischen Bruder vereint. Etwas intensiver gehopft und alkoholstärker schmeckt es süffig und typisch würzig.

Zu einem regelmäßigen Schalander-Besuch locken daneben die Headless „Experimental-Biere“. Dabei handelt es sich um Sonder-Sude und spezielle Biere, die das Team sozusagen nach Lust und Laune aus der Taufe hebt. „Wir nehmen sogar Vorschläge von Gästen an“, betont Frauendörfer.

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