„Die schönste Post Deutschlands“

Julia Schuster

Fotos: Andreas Jacob

Nachhaltige Dekorationsprodukte aus Altholz, Stoff und Papier: Christian Breu ist der Holzwurmdratzer von Amerang.

Holzwurmauge, sei wachsam! Denn wenn Christian Breu seine Kreissäge anschmeißt, um aus einem alten umgestürzten Baum dekorative Herzen zu fertigen, haben die Schädlinge keine Chance mehr. Er ist der „Holzwurmdratzer“ von Amerang.

In seinem Laden verkauft Christian Breu neben seinen selbst produzierten Holzherzen, Kerzenständern und Schildern auch verschiedene Dekoartikel aus Holz, Stoff und Papier zum Wohnen und Verschenken. Besonders viel Wert legen Christian und seine Frau Julia Breu dabei auf nachhaltige Produkte mit einem fairen und möglichst regionalen Hintergrund. Made-in-China-Ware gibt es hier nicht. Ein Standbein sind Hochzeitsartikel, die großteils mit Gravuren oder Beschriftungen individualisiert werden. Kundenwünsche und -ideen sind stets willkommen. Viele geben auch vermeintlich einfache Do-it-youself-Basteleien, die sie beispielsweise auf Pinterest entdeckt haben, bei dem Holzwurmdratzer in Auftrag.

Eine Besonderheit des Geschäfts ist der Verkauf von allem, was das Kundenherz begehrt. Selbst die Schränke, Regale, Tische und Lampen sind verkäuflich. „Ich finde es schade, wenn die Leute sich in ein Möbelstück verlieben und es dann nicht kaufen können“, sagt Christian Breu. Wird ein Einrichtungsgegenstand verkauft, treibt er kurzerhand ein neues antikes Stück auf. „Das ist schön, weil dann alles immer irgendwie in Bewegung ist“, findet der 33-Jährige.

Betrachtet man Christian Breu genauer, mit seinen langen Haaren, den Holzspänen darin und der Arbeitskleidung, ist es nur schwer vorstellbar, dass er eigentlich gelernter Bankkaufmann ist. Obwohl er schon als Kind immer gern mit Holz gebastelt hatte, hängte er erst 2013 den Anzug an den Holznagel und widmete sich seiner Leidenschaft: Der Arbeit in seiner Werkstatt. „Diese Entscheidung habe ich noch keine einzige Sekunde bereut“, sagt der gebürtige Griesstätter. Am liebsten arbeitet Christian Breu mit Altholz. Ein alter Holzbalken zum Beispiel, der vor 100 Jahren von Hand gehackt wurde und Teil eines Dachstuhls war, ist in seinen Augen kein Brennholz, sondern ein echter Schatz. „Hier sieht man noch die Handwerkskunst von damals“, erklärt er mit leuchtenden Augen und zeigt einen zum Kerzenständer umfunktionierten Balken.

Als das Sägewerk von 1928, in dem Christian Breu seine Hobbywerkstatt betrieb, verkauft und abgerissen werden sollte, entschloss sich das Ehepaar zum Kauf. Gemeinsam bauten sie das alte Gebäude mit viel Liebe zum Detail wieder auf. Auch dabei verwendeten sie überwiegend Naturmaterialien. Den Fußboden im Laden beispielsweise fertigte Christian Breu aus zwei Bäumen aus dem Wald seiner Eltern. „Wenn ich dann draußen im Wald bin und die beiden Baumstümpfe sehe, denke ich mir immer: da hat unser Fußboden gestanden“, erzählt der Holzwurmdratzer lächelnd. Im Mai 2016 war es dann soweit: Der Laden wurde nach dem siebenmonatigen Umbau eröffnet. Die Waren, die zuvor nur auf Märkten vertrieben wurden, können seitdem endlich akkurat in passendem Umfeld präsentiert werden.

Als die Ameranger Postfiliale schloss, bot das Paar an, den Postbetrieb in ihrem Laden weiterzuführen. Einzige Bedingung: keine gelben Plastikmöbel. Die Post war von der Idee zunächst nicht angetan, willigte aber schließlich ein. Der rustikale Flair des Ladens blieb also erhalten. „Wir hören oft von Kunden den Satz: ,Das ist die schönste Post Deutschlands‘“, freut sich Christian Breu.

Fertig sind die Breus noch lange nicht. „Es gibt noch viel zu tun“, sagt Julia Breu. Auch für die Zukunft schmiedet das Ehepaar schon fleißig Pläne. „Vielleicht wird es bei uns irgendwann auch Kaffee geben. Oder Märkte oder einen Bauernmarkt“, überlegt der Holzwurmdratzer. „Das sind alles so Gedanken und Ideen. Was daraus wird, werden wir sehen.“

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