Die Kraft der Natur

himmeblau Redaktion

Fotos: Molkerei Berchtesgadener Land, Adobestock

Tradition im Trend: Bergbäuerin Sandra Hörterer verwendet Alpenweihrauch und heimische Bergkräuter zum Räuchern.

Angewiesen auf die eigene Kraft und die der Natur beruht das Leben in der Alpenregion weit mehr auf Naturverbundenheit als in der Großstadt. Viele Menschen leben dort auch heute noch ursprünglicher und pflegen altbewährte Traditionen und Bräuche. So auch Bergbäuerin Sandra Hörterer, deren Hof südlich vom Chiemsee seit 1395 im Familienbesitz ist. So wie es früher verbreiteter Brauch auf dem Land war, räuchert sie regelmäßig in der dunklen Jahreszeit Haus und Stall, um zu reinigen, zu schützen und zu segnen. Die Kräuter dafür sammelt sie auf der Alm auf 1.300 Metern Höhe, wo die Kälber und Jungrinder des Hofes den Sommer verbringen und durch ihr tägliches Rupfen und Treten zur großen Kräutervielfalt beitragen. Räuchern wirkt mit der Kraft der Natur wohltuend auf Körper, Geist und Seele und ist damit heute in der oft fordernden Zeit angesagter denn je.

„Die Blüten werden am besten vormittags bei Sonnenschein gesammelt, im Schatten luftgetrocknet und dann luftig in Gläsern aufbewahrt“, erklärt die Kräuter- und Räucher-Expertin Hörterer, die ihr Wissen in Kursen auch an andere Landwirte der Molkerei Berchtesgadener Land weitergibt. Im Rahmen der jährlich im Frühjahr und Herbst stattfindenden Wissenswerkstatt werden neben dem Räucherkurs auch Homöopathie-Kurse für die Behandlung von Kühen und Kälbern sowie persönlichkeitsfördernde Kurse angeboten. Neben dem fachlichen Input ist für die Landwirte dabei auch das Miteinander ein wichtiger Aspekt.

„Es ist die dunkle, stille Zeit in der Neues entsteht und Altes vergeht“, sagt die naturverbundene Bäuerin Sandra Hörterer. Wenn die Tage kürzer werden und die Kälte Einzug hält, lässt die Energie der Natur und auch die der Menschen nach.

Zeit für Rückzug und um sich wieder mehr nach innen zu wenden. Räuchern ist im Alpenraum bis heute ein bewährter Brauch, um Stall und Hof zu desinfizieren und zu reinigen sowie Familie und Haus von negativen Einflüssen zu befreien und mit neuer Energie zu füllen. „Emotionen hängen wie Spinnweben in den Ecken“, beschreibt Hörterer. Die gelernte Krankenschwester hat auch eine naturwissenschaftliche Erklärung für die Wirkung des Räucherns: „Duftmoleküle gehen direkt in unser limbisches System im Gehirn, das Zentrum der Emotionen ist.“

Geräuchert wird vor allem bei besonderen Anlässen des Jahresverlaufs sowie zum Schutz vor Krankheiten oder bei vorhandener Erkrankung: So hilft Wachholder bei Erkältungen, Fichte und Salbei wirken reinigend, Minze erfrischt. Der bekannteste und auch heute wohl noch am meisten verbreitete Anlass sind die Raunächte mit dem Abschluss des Dreikönigstags, wenn das Haus mit Weihrauch und Myrrhe von bösen Geistern befreit wird. „Räuchern ist gerade in der heutigen oft stressigen und unsicheren Zeit ein hilfreiches Ritual zum Erden und Entschleunigen und kommt dem Bedürfnis wieder stärker mit der Natur verbunden zu sein nach“, so die Bergbäuerin.

Zu den typischen heimischen Pflanzen zum Räuchern zählen Baumharz (auch Weihrauch der Alpen genannt), Holunder, Lavendel, Zitronenmelisse, Salbei und Mistel oder auch Himbeer- und Apfelbaumzeige, deren fruchtig-milder Duft eine angenehme Raumatmosphäre schaffen. 

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