Die Insel der Weinseligkeit

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob


Wie Urlaub in Österreich fühlt sich ein Besuch in der Vinothek Hacker in Rosenheim an. Genießer finden auserlesene Weine aus dem Nachbarland, köstliche Spezialitäten und Geschenkideen in entspannender Atmosphäre.  

Das Schmuckstück der Terrasse bildet ein langer, uriger Holztisch mit schmiede-eisernen Füßen. Wer hier Platz nimmt, sitzt im Halbschatten von Weinreben, die sich an ihrem Spalier emporranken. Pflanztröge mit Zitronenbäumchen und Oleander verströmen mediterrane Düfte. In einem Glas fängt ein rarer Tropfen Gelber Traminer ein paar Sonnenstrahlen ein und wirft sie als funkelnde Lichtreflexe zurück auf das Holz. Christine und Rainer Hacker haben sich hier, im Halbrund der Rosenheimer Posthöfe, eine Insel der Glück-, genauer gesagt, der Weinseligkeit geschaffen. Wüsste man es nicht besser, wähnte man sich irgendwo im österreichischen Weinviertel oder auf einem kleinen Weingut in der Steiermark.

Das Nachbarland Österreich hat das junggebliebene Ehepaar viele Jahre lang auf dem Fahrrad erkundet, während es noch eine Physiotherapie-Praxis betrieb. Höhepunkte der Touren waren immer die Stunden der Rast. Im Sonnenuntergang bei einem Winzer zu sitzen und direkt am Ort der Herstellung einen hierzulande vielleicht noch unbekannten Wein zu kosten, ließ den beiden Frohnaturen nicht nur die Herzen aufgehen, sondern nach und nach auch den Wunsch heranreifen, dieses Gefühl des Genusses hinüber in die Heimat zu holen. Als sich die Chance bot, die Praxis an den Nagel zu hängen, machten Hackers Nägel mit Köpfen: Sie gründeten eine nach ihnen benannte Vinothek. Und seit bald zehn Jahren verwöhnen sie nun statt geschundener Körper anspruchsvolle Gaumen – zuerst in einem Bauernhof am Rande der Stadt, seit gut zwei Jahren mitten im Zentrum.


Die köstliche Dreifaltigkeit
der Vinothek Hacker setzt sich aus den Komponenten des Weinhandels, des Gastronomiebetriebs sowie genauso fröhlicher wie informativer Weinverkostungen zusammen. Im Vordergrund steht dabei immer der Genuss, nicht der profane Rausch! Deshalb finden sich auf der Karte auch nicht die gewöhnlichen „Pappenheimer“, sondern eher seltene Weine und Neuentdeckungen, von buchstäblich handverlesenen Winzern. Und dabei werden auch Menschen mit Histaminunverträglichkeit fündig! Wer sich auf eine Verkostungsreise in die lichtdurchflutete Vinothek wagt, bekommt zu den außergewöhnlichen Geschmacksexplosionen immer auch spannende Hintergrundgeschichten serviert. So ein Grüner Veltliner mundet gleich doppelt so gut, wenn Christine und Rainer Hacker von ihrem Freund Gregor erzählen, der aus der kleinen Landwirtschaft der Großmutter (die eher halbherzig auch etwas Weinbau betrieb) binnen weniger Jahre das veritable Weingut „Nimmervoll“ erschuf. Ein wahrer Winzer-Shootingstar aus Niederösterreich! Solche Geschichten wissen die zwei Weinkenner zu allen ihren erlesenen Tropfen und deren Herstellern zu erzählen – und so entpuppt sich der in den edlen Holzregalen lagernde Schatz aus Weinen gleichzeitig als Sammelsurium wertvollen und unterhaltsamen Wissens.

So liebevoll wie die Auswahl der Kellereien betreiben Hackers auch die Zusammenstellung der – wöchentlich wechselnden – Speisekarte. Auch hier steht eine gewisse Regionalität im Vordergrund. Kleine, feine Köstlichkeiten aus dem Allgäu, aus Tirol oder der Steiermark kommen auf den Tisch. Besonders beliebt: die knusprigen Flammkuchen. Experimentierfreudige Gäste bestellen als Weinbegleitung die kleine Weinverkostung dazu. Dabei darf man sich zum kleinen Preis durch alle (in diesem Fall zweiwöchentlich wechselnden) offenen Weiß-, Rot- oder Roséweine kosten. Wenn sie Zeit haben, setzen sich Christine und Rainer auf einen Ratsch dazu. Ein Schlückchen Burgunder im Glas, ein Lächeln auf den Lippen – im Rahmen solch herzlicher Gastfreundschaft genießt es sich wahrlich wie Gott in Österreich!

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