Die ersten Spuren im Schnee

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Dem Wandern folgt die Skitour: Zum letztjährigen Saisonbeginn genossen wir den Aufstieg auf die Lacherspitze am Sudelfeld. Jetzt warten wir sehnsüchtig auf den ersten Schnee.

Sonntag, 6 Uhr morgens. Es plätscherte draußen in die Regentonne vor dem Fenster. Eigentlich wollten wir los ins Zillertal auf eine erste längere Skitour. Wir sagten aber ab und schliefen eine Runde weiter. Keine Lust bei dem Wetter. Später offenbarte der genauere Blick aus dem Fenster: alles weiß bei uns im Inntal. Dann riss es auch noch auf und die Sonne kam raus. Zu spät für weite Fahrten in große Höhen. Die Freunde waren anscheinend auch schon los. Also rauf auf‘s nahe Sudelfeld, wo die Pisten des Skigebiets bereits lockten, der Skibetrieb aber noch nicht richtig im Gange war. Piste wollten wir aber eh nicht.

Wir gehen die Hänge hinauf vom Parkplatz am Unteren Sudelfeld Richtung Tagweidkopf, nehmen den sonnigen, aber unten noch ziemlich aperen Südhang gegenüber zu den 1.420 Meter hohen Lacheralmen. Entlang der Wegmarkierungen steigen wir weiter durch das Lacherkar Richtung Einstieg zum Seehang des Wendelsteins. Eine Fußgängerin nur, ansonsten kein Mensch unterwegs. Wir ziehen die erste Aufstiegsspur in die frische, wenige Zentimeter dicke Neuschneeauflage.

Das Gipfelkreuz der Seewand im Blick, sind wir in nicht ganz eineinhalb Stunden oben am Kar. Vor uns der Einstieg in den Seehang, der Tourenabfahrt des Wendelsteins. Wir müssen uns entscheiden: Gehen wir gleich den Kamm entlang weiter Richtung Westen zur Bergstation des Lacherliftes und dann zum Gipfel? Oder sind wir doch noch nicht ganz ausgelastet und wollen mehr? Wir wollen mehr, fahren deshalb erst einmal ab, um dann wieder einen anderen Weg aufzusteigen. Also Felle ab, Jacke an, Helm auf und den Seehang hinunter Richtung Mitteralm. Ein griffiger, tragfähiger
Deckel mit einer lockeren, leicht grieseligen Neuschneeauflage – erstaunlich gute Verhältnisse. Die ersten Abfahrtsspuren haben wir ohnenin schon lange nicht mehr runtergezogen in diesen attraktiven, aber je nach Schneeverhältnissen oft auch gefährlichen Hang. Unten im Gschwandtauslauf entschließen wir uns, doch nicht zur Mitteralm abzufahren, sondern gleich das Gschwandt und dann den Soin wieder hinaufzusteigen, weil jetzt immer wieder Wolken aufziehen. Also Felle wieder rauf, Jacke und Helm wieder aus. Wir folgen der Spur, die zwei Bergwachtler vor uns gelegt haben. Sie ist sehr griffig, der Aufstieg auch im steilen Gschwandt deshalb kein großes Problem.

Oben am Lacherlift angekommen, deponieren wir die Ski und steigen zu Fuß weiter zum Gipfelkreuz der Lacherspitze, wo wir zu unserer Überraschung völlig alleine stehen. Nicht ganz: Hungrige Dohlen warten schon, und eine Gams fühlt sich gestört und zieht sich beleidigt zurück. Der Ausblick hier oben vom felsigen Gipfel hinüber zum Wendelstein auf der einen Seite sowie in die südliche Alpenregion ist bei schönem Wetter wie heute ein echter Genuss. 

Später fuhren wir den ostseitig exponierten Teil des steileren Karkessels ab, wo die Schneedecke trotz  Sonne ebenfalls gut trug. Auch hier leuchtete alles noch jungfräulich weiß. Eine kurze, aber traumhaft schöne Abfahrt. Unten war der Schnee vom Morgen auf dem Weg schon wieder weggeschmolzen, sodass wir die Ski noch einige Meter tragen mussten, bis wir wieder am Parkplatz angelangten. Egal. Der Weg und die paar Schwünge waren das Ziel und jeden Schweißtropfen wert. Herr, lass den ersten Schee fallen!

  • Routeninformationen
  • Bildergalerie
Starthöhe: 1.080 Meter
Endhöhe: 1.724 Meter
Gehzeit: je nach Variante ca. 1,5 bis 3 Stunden (Aufstieg)
Gebirge (Region): Mangfallgebirge
Einkehrmöglichkeit: keine
Anreise: Über die Pass-Straße Brannenburg (mautpflflflichtig) oder
Oberaudorf oder via Bayrischzell hinauf zum Sudelfeld.
Ausgangspunkt: Parkplatz „Unteres Sudelfeld“

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