Die der Schwerkraft trotzen

Christian Topel

Fotos: Rimadesio

Mit „Rimadesio“ residiert eine weltweit anerkannte Designermöbel-Manufaktur im Raublinger werkhaus. Minimalistische Stilistik, edle Materialien und eine ausgeklügelte Technik zeichnen das italienische Traditionsunternehmen aus.

Mailand, Madrid, Moskau, New York, Paris – dass sich in eine lange Liste der Metropolen dieser Welt auch die südlich von Rosenheim gelegene Gemeinde Raubling einreihen darf, ist Benedikt Adolff zu verdanken. Der Schreinermeister plant und baut seit über 25 Jahren Möbel und Innenausbauten. Zudem gründete er „Licht im werkhaus“, wobei er mit einem stetig wachsenden Team ausgebildeter Fachleute professionelle Lichtplanungen durchführt und auch gleich die dazu passenden Innen- und Außenleuchten vertreibt. Betritt man die Ausstellungsfläche im werkhaus, fällt sofort auf, dass die Leuchten von ausnahmslos namhaften Herstellern wie Occhio, Tobias Grau sowie Catellani & Smith keineswegs im luftleeren Raum hängen, sondern im Rahmen eines aus genauso geradlinigen wie filigranen Elementen zusammengestellten Raumkonzepts erstrahlen.

Besucher durchschreiten eine genauso schnörkellose wie elegante Welt aus Regal- und Schranksystemen, begehbaren Ankleidebereichen, hauchdünnen Sideboards, Tischen und Schiebetüren.Es ist die ästhetisch wie funktional unvergleichliche Welt des italienischen Traditionshauses „Rimadesio“.

1956 als Glaserei gegründet, liegt dessen Firmensitz nach wie vor abseits des großstädtischen Trubels Norditaliens, unweit des Comer Sees, inmitten des lieblichen Landstriches der Lombardei. Für Benedikt Adolff bedeuten die meist maßgefertigten Lösungen der weltbekannten Manufaktur einen Vorstoß in Dimensionen, die eine Schreinerei mit dem Werkstoff Holz nicht mehr abbilden kann. Zur Veranschaulichung zeigt der Planer auf einen meterlangen, gläsernen Schrank, der ohne Sockel und Korpus auskommt. Nur von filigranen Aluminiumstreben umgeben, scheint das Konstrukt in der Mauernische zu schweben. „So etwas kann man aus Holz nicht herstellen“, staunt Adolff. Selbst schwerste Schiebetüren gleiten schwerelos dahin. Ein solch perfektes Zusammenspiel der Komponenten Form, Farbe, Materialität und Technik habe er nie zuvor gesehen. Auf den Punkt gebracht: „Rimadesio hebelt durch Design die Schwerkraft aus.“

Auch die Spannung zwischen kühler Schlichtheit und warmen Akzenten begeistert das gesamte Team. Während etwa eine gläserne Vitrine auf den ersten Blick kompromisslose Transparenz zu Tage trägt, verleiht eine mit edlem Leder ausgekleidete Schublade aus Nussbaumholz dem Möbelstück den für Wohnbereiche notwendigen Anhauch an Behaglichkeit.

Die Detailversessenheit der italienischen Desingschmiede verdient ohnehin eines genaueren Hinsehens. Nach wie vor, weiß Benedikt Adolff, entwickle und fertige Rimadesio alle Gläser selbst. Das Ergebnis ist eine einzigartige Vielfalt an Glasoberflächen und -farben: Gehärtete oder laminierte Gläser, matte oder verspiegelte Oberflächen – die Raffinesse von Rimadesio kennt keine Grenzen. Besonders angetan ist Benedikt Adolff von der Tiefgründigkeit mancher Materialien. Er hält ein Glasmuster in die Höhe, das den Blick geradezu einzusaugen scheint. Dieses visuelle Wunder gelingt den Italienern, indem sie die Oberfläche satinieren, die Rückseite lackieren, wodurch sich das Licht erst auf der Hinterseite bricht und Tiefe entstehen lässt. Auch ins Glas eingearbeitete, millimeterfeine Metallfäden hauchen den Oberflächen eine faszinierende Lebendigkeit ein. Wer zeitloses Design, filigrane Konstruktionen und klare Linien liebt, muss also nicht mehr in den Metropolen suchen.

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