Chiemgau-Klassiker im sportiven Doppelpack

Ein Rad- und Wander-Ausflug auf die Kampenwand

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Der markante, gezackte Gipfelgrat leuchtet einem schon von weitem entgegen und zieht die Blicke auf sich. Die 1.669 Meter hohe Kampenwand gehört dank ihrer exponierten Lage und der besonderen Felsstruktur, die an den Kamm eines Hahnenkopfes erinnert, zu den bekanntesten Gipfeln in den Chiemgauer Alpen. Wege hinauf zum Ostgipfel, wo das mit zwölf Metern höchste Gipfelkreuz in den bayerischen Alpen wartet, gibt es viele. Zugegeben, eine Fahrt mit der fast schon antiken Kampendwandbahn hat auch was, aber soll vorerst denen vorbehalten sein, für die der alte bayerische Schüttelreim „I gangat gern auf d‘ Kampenwand, wann i mit meiner Wamp‘n kannt“ Gültigkeit hat. Ein bisschen sportlicher sollte es für uns dann doch sein.

Guter Ausgangspunkt für eine schöne Rad- und Wander-Tour auf die Kampenwand ist das 864 Meter hohe Hintergschwendt oberhalb von Aschau. Von dem dortigen Parkplatz aus spart man sich schon einige kraftraubende Höhenmeter auf Asphalt. Die ersten Kilometer auf einem breiten Forstweg sind dann ideal zum lockeren Einfahren – die noch weit entfernten Zacken des Gipfelmassivs, die sich im Süden bereits zeigen, dabei immer im Blickfeld. Weiter geht’s auf dem gut ausgeschilderten Mountainbikeweg hinauf zur Steinlinggalm. Die Strecke deckt sich überwiegend mit dem Wanderweg. Der Schweiß rinnt allmählich, es sind doch einige Schotterweg-Serpentinen mit teilweise steilen Anstiegen. Es ist von Vorteil, wenn hier nicht allzu viele Wanderer unterwegs sind, weshalb man die Tour nicht unbedingt an klassischen  Ausflugswochenenden machen sollte, wenn der Berg meist stark frequentiert ist.

Wer es technisch anspruchvoller will, kann den Trail hinauf nach Gschwendt oder den Pferdeweg hinauf zur Schlechtenberg-Alm nehmen. Der steile Anstieg bei der Gori Alm (bis zu 24 Prozent) und die letzten Bike-Höhenmeter hinauf zur Steinlinggalm fordern einige Körner, was aber nach  rund 1,5 Stunden Fahrzeit insgesamt von einer grandiosen Aussicht oben auf den Chiemgau samt Chiemsee und Simssee belohnt wird. Kurze Trinkpause, ein sicheres Plätzchen für die Bikes  suchen und weiter geht es zu Fuß auf einem Wiesenpfad in Richtung Hochplatte und Gipfel. Der Weg am  Fuße des Felsmassivs wird schnell gerölliger, steiler und anspruchsvoller, womit  einige der vielen Tagesgäste, die von der Gipfelstation der Kampenwandbahn  herüberspaziert sind und sich hier ihr Gipfelglück abholen wollen, dann doch sehr zu kämpfen haben. In diesem Gelände ist schon  etwas alpine Erfahrung, Trittsicherheit und gutes Schuhwerk gefragt, um sicher  nach oben und wieder herunter zu kommen.

Nach ein wenig Kraxelei warten ein paar Höhenmeter weiter die Kaisersäle – imposante, meterhohe, weiße Felswände rechts und links, die durchwandert werden müssen, will man auf den Ostgipfel. Wahre Canyongefühle im Chiemgau und für die, die das erste Mal hier sind, ein  beeindruckendes, optisches Erlebnis. Am Drahtseil führt der Weg östlich einmal um den Gipfel herum, bevor sich das riesige Gipfelkreuz, das zum Gedenken der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege dort 1951 mühevoll aufgestellt wurde, nur wenige Meter nach einer stählernen Brücke zeigt. Ein wenig eng ist es schon oben am Gipfel, der genial schöne Fernblick in alle Himmelsrichtungen dafür umso weiter.

Der große Vorteil einer Rad- und Wander-Tour: Man erspart sich den oft lästigen, langen und gelenkstrapazierenden Abstieg zu Fuß und kann sich stattdessen den Fahrtwind um die Ohren sausen lassen. Ein kurzer Einkehrstopp noch im Garten der urig-gemütlichen Schlechtenberg-Alm, um verlorene Kalorien mit hausgemachten Kuchen wieder aufzufüllen und ab geht’s in konzentrierter Fahrt zurück nach Hintergschwendt.

  • Routeninformationen
  • Bildergalerie
Anforderung: mittel
Höhendifferenz: 800 Meter
Gehzeit: ca. 1,5 Stunden per Bike bis zur Steinlingalm, ca. 1 Stunde zu
Fuß bis zum Kampenwandgipfel
Gebirge (Region): Chiemgauer Alpen
Einkehrmöglichkeit: Schlechtenberg-Alm, Liftstüberl, Gorialm, Steinlingalm
Ausgangspunkt: Parkplatz Hintergschwendt (864m)
Anreise: A8 Ausfahrt Frasdorf, Richtung Aschau. In Aschau Ortsmitte
Richtung Bernau abbiegen, zwischen Aschau und Bernau rechts
die Straße zur Seiseralm nehmen. An der Seiseralm vorbei und
hinauf zum Dorf Hintergschwendt. Bei der Kreuzung links abbiegen.
Biker starten am besten am oberen Parkplatz.
Infos zur Region: www.kampenwand.de

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