Carl Cox kommt zum Geburtstag

Christian Topel

Fotos: Veranstalter

Das Echelon Open Air wird zehn. Neben neuen Attraktionen bieten die Macher wieder die größten Stars der Elektro-Szene. Zuerst wird aber zurückgeschaut! 

Mit Akzent über dem letzten „e“ steht der Name für einen brasilianischen Fußballgott; ohne für einen Mann, der großen Anteil daran hat, dass die beschauliche Kurstadt Bad Aibling einmal im Jahr zu Bayerns Olymp der elektronischen Musik mutiert. Die Rede ist von Patrick Gallenmüller alias DJ Pele, Erfinder und Mitbegründer des „Echelon Open Air & Indoor Festivals“. Das Event gilt im zehnten Jahr seines Bestehens als größtes seiner Art in Bayern.

Gallenmüller kommt 1983 in Rosenheim zur Welt, wächst in Bad Aibling auf und findet in jungen Jahren – dank Papas Plattensammlung – zur Rockmusik. Den U-Turn zum DJ verschuldet Sven Väth. Den Übervater der deutschen DJ-Szene bekommt der Teenager auf einer Art Abschlussfahrt zu sehen – vor allem aber zu hören. „Eine Erweckung“, erinnert sich Gallenmüller an diese Nacht im legendären „Amnesia“ auf Ibiza. Auf der Kanzel Väth, in der Luft ein Gänsehaut erzeugender Sound, auf dem Dancefloor eine hypnotisierte Meute. Von diesem Moment an wusste Gallenmüller, wo er hin wollte: Dort hoch, an den Plattenteller. Er streicht ein paar Buchstaben aus seinem Namen: DJ Pele ist geboren.

Praktischerweise bewegte sich Peles Papa auch beruflich in der Musk-Branche. Im väterlichen Kultclub „Calypso” lernt der kleine Gallenmüller früh große Stars wie Modern Talking kennen und guckt den DJs über die Schulter. Er schafft sich eigene Scheiben an. Mit der Menge an Vinyls (auf heutzutage übrigens 10.000 Stück!) wächst auch das DJ-Equipment. Während er erste Gigs an Land zieht, wandert er für ein Jahr nach Wien aus, lässt sich an der „School of Audio Engineering“ zum Tontechniker ausbilden, arbeitet nebenbei in einer Plattenfirma und kommt mit gewaltigem Know-how zurück nach Rosenheim – um die Entscheidung seines Lebens zu fällen: Ganz auf die Musik zu setzen.

Mit 20 hat Pele eine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation angehängt und macht Ernst: Er produziert eigene Nummern, baut ein eigenes Musikstudio auf und gehört einem Trio an, das den Techno-Club „Hundertquadrat“ eröffnet. Einer davon ist Georg Stadler (heute Smyka), besser bekannt als DJ George Townston. Natürlich ist Rosenheim nicht Berlin, und das „Hunni“ kein „Berghain“, aber die Jungs schaffen es, anerkannte Szenegrößen in die Provinz zu holen.

Parallel beteiligt sich Pele an marysolmusic, der Musikmanagement-Firma von Franz Fürpass, eines der Calypso-DJs. Der bildet Pele quasi aus, als DJ und als Veranstalter. Mit dem marysol-spin-off „organised chaos events“ beginnt er bald selbst, Künstler auf die Bühne zu bringen. Mit den Kumpels aus dem Hundertquadrat stampft er die „Quadrat Events GmbH“ aus dem Boden, mit weiteren Partnern die „Airport Aibling UG“ – zwei Agenturen für regionale Events.

Ein genialer Glücksgriff, wie sich 2009 erweist. In Peles Heimatstadt Bad Aibling liegt ein weitläufiges Militärgelände brach. Die imposanten Abhörkuppeln der Amerikaner – Relikte des Echelon-Spoinagenetzes – wecken eine vermessene Vision: Vor dieser kolossalen Kulisse, findet Pele, müsste ein Festival stattfinden. Ein Open Air im Geiste des Elektro. Mit dem Ehrgeiz von Besessenen überzeugen er und Kompagnon Stefan Sumper Stadt und Eigentümer von ihrem Plan – das „Echelon“ ist geboren. Und spätestens, als auch George Townston seine Erfahrung aus Hunni-Zeiten miteinbringt, geht das Ding durch die Decke. Die Kalkbrenner-Brüder, Monika Kruse, Felix Kröcher, Moonbootica, Robin Schulz, Westbam oder im diesjährigen Jubiläumsjahr Carl Cox – was Rang und Namen hat in der Szene, findet Dank des Pioniergeists der drei Echelon-Macher den Weg in die Kurstadt. Im Schlepptau der Stars tausende, tanzwütige Gäste. 2011 durchbrechen die Besucherzahlen die Zehntausender-Schallmauer, 2017 tummeln sich 25.000 Menschen auf dem Echelon-Gelände. Und entgehen nur knapp einer Katastrophe!

Hatte sich der Wettergott dem Festival bis dato fast schon beängstigend wohlgesonnen gezeigt, schien er nun auf Krawall gebürstet. Am Freitagabend fegt ein verheerender Sturm über Bad Aibling und reißt alles mit sich, was nicht niet- und nagelfest ist. Auf dem Festivalgelände fliegen Zelte davon, gehen Aufbauten und Equipment zu Bruch. „Statt in Panik auszubrechen, sind wir alle noch enger zusammengerückt. Was das Team in dieser Nacht geleistet hat, um das Echelon dennoch stattfinden lassen zu können, war fast übermenschlich“, schwärmen Pele und Townston.

Und da sie schon im Schwärmen sind, wollen sie es nicht versäumen, für 2018 wiederum eine Steigerung zu versprechen: „Es wird geniale neue Specials geben”, verrät Townston. Die Besucher können sich unter anderem auf Neuheiten wie eine Almhütte oder eine große Beach-Area freuen. Das Echelon findet am 18. August statt, wie gewohnt können sich Gäste am Vorabend auf einer Warm-up-Party eingrooven.

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