Bayerns berühmtester „Kino-Gipfel“

Petra Rapp

Fotos: Andreas Jacob

Ebenso naheliegend wie abwechslungsreich ist eine Tour von Brannenburg hinauf auf den Wendelstein. Unterwegs werden viele Erinnerungen wach.

Manche Dinge nimmt man sich seit Ewigkeiten vor. Doch es kommt immer wieder etwas dazwischen, anderes steht im Vordergrund und oft denkt man einfach nicht daran. Läuft ja nicht weg, der Berg! Endlich hat es geklappt mit der Tour, die so nahe liegt und für jeden Einheimischen in Brannenburg eigentlich Pflicht sein sollte: von der Haustür zu Fuß hinauf zum Gipfel des Wendelsteins (1.838 Meter). Wunderschöne, weil sehr abwechslungsreiche 1.365 Höhenmeter.

Im Winter ist mir jeder Hang hier bestens vertraut, mit Ski schon so oft befahren, nahezu alle Varianten, bei jedem Wetter und bei allen erdenklichen Schneeverhältnissen. Der Hausberg halt. Im Sommer aber bin ich noch nie über die Mitteralm hinausgekommen. Der beschilderte Weg beginnt an der Talstation der Wendelsteinzahnradbahn, die im Mai ihr 100-jähriges Jubiläum feierte. Der Start von meiner Haustür liegt wenige Meter höher, vorbei an Hinterleiten und hinauf nach St. Margarethen. Ein kurzer Abstecher hinein zum Friedhof am schönen Kircherl lohnt sich. Dort ist unter anderem das Hausgrab der von Heiselers, das auch in Marcus H. ­Rosenmüllers erfolgreicher Komödie „Wer früher stirbt ist länger tot“ als Filmkulisse diente. So viel Geschichte, so viele Persönlichkeiten liegen hier. Vor knapp elf Jahren starb die Dichtergattin Gertrud von Heiseler. Schöne Erinnerung an sieben sehr wertvolle, bereichernde, gemeinsam gelebte Jahre in Haus Vorderleiten werden wach.

Weiter geht es in Richtung Ponyhof, kurz davor dann rechts hinauf den langen, schattigen Ziehweg mit seiner angenehmen Steigung und seinen vielen Bächen entlang der Gleise der Zahnradbahn bis Aipl (980 Meter). Zur Mitteralm (1.200 Meter) kann man ab Aipl (980 Meter) rechts den so genannten „Schinter“ nehmen, eine relativ steile, sehr schottrige Forststraße, die voll in der Sonne liegt. Der Weg links herum über den Steig durch den schattigen Wald ist abwechslungsreicher. Kurze Trinkpause an der Mitteralm. Dann geht es entweder weiter über den rechterhand ausgeschriebenen Weg Richtung Reindler Alm oder oberhalb der Mitteralm gleich links auf weichem Waldboden einen schönen, flach ansteigenden Pfad. Der mündet weiter oben wieder in den offiziellen Weg.

Kurz vor der Reindler Alm zeigt sich auf der linken Seite schottrig und steil die Reindler-Scharte. Ein absolut genialer Blick ins Tal tut sich auf, während oben die Zahnradbahn den steilen Osthang entlang durch die Tunnel fährt und immer wieder als gelber Streifen an der Felswand auftaucht. Der Weg durch die Scharte ist relativ steil und alpin und fordert noch einmal unsere Kraftreserven. Trotz Sonntag und Ferienzeit ist bisher erstaunlich wenig los. Oben am Gleis angekommen, verläuft der offizielle Wanderweg durch die Zahnradbahntrasse über den Hotelhang und vorbei am Wendelsteinkircherl.

Wir wählen eine steilere, aber kürzere Alternative rechts entlang der Gleise und dann direkt hinauf zum Panorama-Gipfelweg, die aber nicht so leicht zu finden ist, wenn man sie nicht kennt. Hier ist es dann schlagartig vorbei mit der alpinen Ruhe. War zu erwarten an so einem schönen Wochenendtag. Die letzten Höhenmeter hinauf zur Wetterstation samt Gipfelkircherl heißt es, Geduld haben und sich einreihen. Sind dann doch Einige, die von der Seilbahn und Zahnradbahn kommen und ameisengleich hinaufströmen zum Kurzspaziergang von der Bergstation gen Gipfel. Egal, der Weg ist das Ziel und der Gipfel nicht mehr weit. Wer die Massen hier vermeiden will, sollte am besten werktags und vor oder nach den Betriebszeiten der Bahnen unterwegs zum Gipfel sein.

Nach nicht ganz drei Stunden wird der Aufstieg belohnt mit einem imposanten Fernblick auf das gesamte Alpenpanorama auf der einen Seite sowie auf das gesamte Chiemgau samt Simssee und Chiemsee auf der anderen. Wer übrigens seine Gelenke schonen und sich den langen Abstieg sparen will, steigt oben in die Zahnradbahn und lässt sich wieder gemütlich nach Brannenburg hinunter fahren. Bei 17,50 Euro pro Person (Erwachsene) für eine Talfahrt vom Gipfel allerdings kein ganz billiges Vergnügen. 

  • Routeninformationen
Starthöhe: 473 Meter
Höhendifferenz: 1.365 Meter
Gehzeit: ca. 6 Stunden (Auf- und Abstieg)
Gebirge (Region): Mangfallgebirge
Einkehrmöglichkeit: Talbahnhof der Wendelsteinbahn; Gasthof Kraxenberger (St. Margarethen), Mitteralm, Wendelsteinhaus
Ausgangspunkt: Brannenburg, Talbahnhof der Wendelsteinbahn
Anreise/Zufahrt: Über die Inntalautobahn Richtung Kufstein, Ausfahrt Brannenburg, dann durch Brannenburg Richtung Sudelfeld/Wendelstein zum Talbahnhof der Wendelsteinbahn.

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