Auszeit vom Alltag mit Weitblick

Axel Effner

Fotos: Predigtstuhlbahn

Der Predigtstuhl in Bad Reichenhall mit der ältesten Seilbahn der Welt verbindet Nostalgie und echte Entschleunigung. 

Es sind die besonderen Erlebniswerte, die den Predigtstuhl in Bad Reichenhall als „Premium-Entschleunigungsberg der Alpen“ zu einem gefragten Ausflugsziel für alle Alters- und Könnensstufen machen. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Bereits die Nos-talgiefahrt in der ältesten, im Original erhaltenen Seilschwebebahn der Welt ist wie ein angenehmes Eintauchen in eine andere Zeit, die die Sorgen und Hektik des Alltags weit hinter sich lässt. Die sagenhafte Panoramafernsicht und die ursprüngliche Berglandschaft, das vielfältige Angebot an Wanderstrecken, die Pollenallergiker entlastende, reine Höhenluft, die gastronomischen Angebote und  der Genuss des Sonnenuntergangs in einmaligem historischen Flair machen den Aufenthalt auf dem Predigtstuhl zu einem Erlebnis, das nachwirkt.

Bei der Inbetriebnahme am 1. Juli 1928 galt die Predigtstuhlbahn mit zahlreichen technischen Neuerungen als Inbegriff von Moderne und stilistischer Eleganz. Während der Fahrt in den weithin sichtbaren roten „Salonwagen“ in Pavillonform  schweben die Besucher  auch heute noch sanft in knapp neun Minuten über die schroffen Felsen und betreten auf rund 1.600 Metern Höhe eine neue Welt. 

Wie ein Gralsschloss ist die Bergstation mit dem Restaurant zwischen den Steinen eingebettet. Bis heute gaben sich hier seit der Eröffnung prominente Politiker, bekannte Schauspieler oder Berglegenden wie Luis Trenker ein Stelldichein. An die glorreiche „gute alte Zeit“ der Anfangsjahre erinnern stimmungsvolle Aufnahmen des Bergfotografen Ernst Baumann in Schwarzweiß.  Auch sonst verbindet das Bergrestaurant stilechtes nostalgisches Flair und modernen Komfort auf perfekte Weise. Vom Kaminzimmer oder der legendären, gläsernen Panoramaterrasse aus genießt man einen fantastischen Fernblick. 

Beim Heraustreten stimmen die frische Bergluft und der würzige Duft der Latschenkiefern die Besucher auf die natürliche alpine Umgebung ein. Die saubere Bergluft bietet gerade für Pollenallergiker und Asthmatiker ideale Bedingungen, um unbeschwert und frei durchatmen zu können. Die acht wichtigsten Pollen in Deutschland sowie Hausstaubmilben und Schimmelsporen sind hier praktisch unbekannt. Diese Besonderheit wusste man bereits beim Seilbahnbau 1928 zu nutzen. Das Anlegen eines Höhenkurwegs diente als gezielte Ergänzung für Heilanwendungen in der mondänen Kurstadt Bad Reichenhall. Die positiven Wirkungen auf Atemorgane, Blutzusammensetzung und seelische Stabilität hob seinerzeit sogar der ärztliche Bezirksverein hervor. 

Durch seine besondere Geologie bietet der Predigtstuhl für alle Könnens- und Altersstufen die Möglichkeit zum ungetrübten Berggenuss und echter Erholung.  Die kleine Panoramarunde für Genießer startet an der Bergstation und führt in leichter Steigung vom Bergrestaurant in weitem Bogen auf den Gipfel des Predigtstuhls. Von dort reicht die atemberaubende Fernsicht auf die Stadt Bad Reichenhall und in das Salzburger Becken im Norden. Im Süden zeichnen sich Watzmann sowie die Hochalpen ab. Im Westen reicht der Blick bis weit in die Chiemgauer und Tiroler Alpen. 

Vom Gipfel des Predigtstuhls aus geht die Runde weiter bis zur Almhütte auf der Schlegelmuldenalm und wieder zurück. Die Gehzeit beträgt etwa 40 Minuten. Der Weg ist auch für Personen ohne Bergerfahrung und passende Schuhe geeignet. Die Bergwalderlebnisrunde für Sportliche dauert rund eine Stunde  und führt über den Moosensteig im Bergwald bis hinauf auf die nicht bewirtschaftete „Obere Schlegelalm“ und über die Schlegelmuldenalm zurück. Rund zwei Stunden sollte man bei der Alpinrundtour für Bergerfahrene einplanen. Sie führt von der Schlegelmuldenalm über den Hochschlegel auf den Karkopf und bietet traumhafte Fernblicke in den Berchtesgadener Talkessel. Wer noch eine weitere Stunde Zeit hat, kann einen Abstecher zum Dreisesselberg machen, der allerdings Trittsicherheit verlangt.

Auch für geübte Berggeher, die den Gipfel auf anspruchsvollen Touren durch steiles Gelände erklimmen wollen, bietet der Predigtstuhl die passende Herausforderung. Über den Waxriessteig oder den Alpgartensteig lässt sich das Ziel von Westen oder Norden her auf einer zweieinhalb bzw. dreistündigen Tour angehen. Ausgangspunkt ist jeweils der Parkplatz der Predigtstuhlbahn. Bergausflüge machen hungrig. Dieser Tatsache trägt auch das gastronomische Angebot auf dem Bad Reichenhaller Hausberg Rechnung. Auf der Sonnenterasse der bereits genannten, urig eingerichteten Schlegelmuldenalm kann man sich mit herzhaften Spezialitäten und leckeren hausgemachten Kuchen verwöhnen lassen.

Wer gehobene Gastronomie genießen möchte, der ist im Bergrestaurant in der Bergstation genau richtig. Die abwechslungsreiche Speisekarte voll raffinierter Gerichte lässt auch bei ausgesprochenen Gourmets das Herz höher schlagen. Ein unvergessliches Erlebnis für sich ist dabei, Gaumengenüsse mit einer Fernsicht zu garnieren, die auch die Seele satt macht. Für einen prickelnden Wochenendstart lädt die Predigtstuhlbahn zu Frühstück und Lunchbuffet beim „ProseccoSamstag“ ein.

Wem das noch nicht genügt, für den bietet die Predigtstuhlbahn im Juli und August ein besonderes Genussschmankerl an. Frei nach dem Motto „Auszeit von Stress und Hektik“ können die Gäste den Beginn des Sonnenuntergangs auf der Schlegelmuldenalm bzw. auf der Aussichtsterrasse der Bergstation genießen. Die Fahrtzeiten der Bergbahn sind entsprechend angepasst. 

Technisches Wunderwerk 

Als technisches Meisterwerk der Superlative und Muster der vollkommenen Seilschwebebahn wurde die Predigtstuhlbahn bei der Eröffnung am 1. Juli 1928 weltweit gefeiert. Sie übertraf an Eleganz, Geschwindigkeit und Kühnheit alles bisher dagewesene. Die weithin sichtbaren Monumentalstützen aus Beton und die im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaute Bergstation symbolisierten die Beherrschung der Natur durch den Menschen und stehen für den Zeitgeist der 20er Jahre. Qualität, Robustheit und Haltbarkeit sind Markenzeichen der bestens gepflegten mechanischen Antriebs- und Maschinenanlage. Sie funktioniert seit 1928 bis heute einwandfrei und lässt sich nur bei der Predigtstuhlbahn im Originalzustand studieren. Deshalb steht sie auch unter Denkmalschutz. 

Eine echte „Revolution“ stellten die beiden als zwölfeckige „schwebende Pavillons“ konzipierten Wagen aus Aluminium mit Plexiglas dar. Sie bringen den Fahrgast mit 18 km/h auf den Berg. Ein eigener Dämpfer sorgte für das Abfedern bei Stützenüberfahrten. Eine Zeitenwende markierte die „Grand Dame der Alpen“ auch durch zahlreiche Innovationen in der Drahtseiltechnik. Ein Gewicht von 104 Tonnen – damals Weltrekord - sorgt im Spannraum, 14 Meter tief unter der Talstation, dafür, dass die Tragseile möglichst straff gespannt und die Seillinie steil nach oben geht. Was heute Standard ist, war damals revolutionär. Mit jährlichen Inspektionen sorgt der TÜV dafür, dass der Fahrgenuss in jeder Situation ungetrübt bleibt.

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