Aus Kunstrasen und Jeans

Christian Topel

Fotos: Doghammer, Andreas Jacob

Zwei Kumpels haben das Prinzip „Flip-Flop“ generalüberholt. Ergebnis: „Doghammer“, Outdoor-Zehentrenner. 

Gewöhnliche Sandalen tragen kleine Kinder, deren Eltern barfuß für gefährlich halten; oder ältere Herren, die ästhetisch resigniert haben. Wer es gerne luftig hat untenrum, aber seine Würde behalten will, greift zu „Zehentrennern“ – oder, um es so richtig schuhtechnisch auszudrücken: zu Zehenstegsandalen, besser bekannt als Flip-Flops. Aber da müsse man aufpassen, warnt Maximilian Hundhammer. Und ergänzt, weil das natürlich seltsam klingt, dass es freilich nicht beim Herumschlurfen in jenen Badelatschen aufzupassen gilt, sondern beim Hantieren mit dem Begriff. Den, musste der Rosenheimer Jungunternehmer nämlich erfahren, hat sich Ende der 90er Jahre eine Triathletin schützen lassen. Für die Dame vermutlich ein lukrativer Coup, denn „Flip-Flops“ haben es hierzulande zum „Deonym“ geschafft. Das sind Marken beziehungsweise Produkte, die sich im allgemeinen Sprachgebrauch als Bezeichnung für die ganze Produktgruppe durchgesetzt haben. Siehe Tempo oder Tesa. Hundhammer weiß das inzwischen so genau, weil er gemeinsam mit Kumpel Matthias Drexlmaier vor zwei Jahren neuartige Flip-Flops – Entschuldigung – Zehentrenner auf den Markt gebracht hat.  

Komfort für geschundene Füße 

„Doghammer“ heißen die Dinger und unterscheiden sich ohnehin so stark vom berühmten Vorbild, dass ihre Erfinder dem F-Wort keine Träne nachheulen müssen. Allein in Sachen Materialvielfalt können sich die klassischen Plastiklatschen ein Scheibchen abschneiden vom Rosenheimer Zehentrenner. Bei der Konstruktion ihrer Doghammer hatten die zwei Gründer eine ganz konkrete Zielgruppe vor Augen: Outdoor-Sportler, insbesondere Kletterer. Natürlich soll niemand in ihren Zehentrennern in die Wand! Doch da Kletterschuhe schrecklich eng seien, würden Kletterer ihren Füßen auf dem Weg vom und zum Fels gern die größtmögliche Freiheit gönnen, sagen die Freunde, die gute Kontakte in die Kletter-Szene pflegen und für erste Härte-Tests nutzten.  Um ihre Zehentrenner mindestens gerölltauglich zu machen, verpassen ihnen Hundhammer und Drexlmaier auf Wunsch eine echte Vibram-Sohle. Die gibt  Grip, egal ob auf Wurzeln, Gras oder Schotter. Von Kreativität zeugt auch das zur Auswahl stehende Obermaterial: Die Fußsohle darf sich auf Kunstrasen, Jute oder Mikrofaser betten. Die Riemen gibt´s aus farbigem Wollfilz, Mikrofaser – oder als neuester, modischer Gag – aus echtem Leder. „Damit schaut der Schuh sogar zur Lederhose gut aus“, verspricht Matthias Drexlmaier. Einzig der gehäkelte Zehensteg erinnert übrigens noch an die Frühgeschichte ihres Babys, dessen „Prototypen“ Maximilian – kein Witz – komplett häkelte.

Nach dem Abitur habe er in einem Wollladen gearbeitet und dort Häkeln gelernt, erzählt der 23-Jährige. Damals herrschte ein Hype um selbstgehäkelte Klamotten. Da der Markt bei so naheliegenden Dingen wie Mützen oder Stirnbändern gesättigt war, musste eine neue Idee her. In einem Schuhkarton in der Werkstatt schlummern noch ein paar Relikte aus dieser Zeit herum. Unförmige, bunte Zehentrenner aus Wolle, niedlich anzusehen, aber unpraktisch. So bestand die Sohle aus einer Isoliermatte aus dem Baumarkt, die sich viel zu schnell abnutzte. Doch nicht nur die Materialien „zickten“. Auch Ilona Hundhammer, Maximilians Mutter, fand es recht bald nicht mehr witzig, an der Nähmaschine ständig kaputte Nadeln vorzufinden. Maximilian wurde kurzerhand auf eine Art Fortbildung geschickt.  Hannoveraner Verwandte mit Orthopädie-Geschäft verabreichten ihm quasi einen Crash-Kurs in Sachen vernünftiger Schuh-Herstellung. Erstmals machte er sich Gedanken über Dämpfungsmaterialien oder die optimale Stelle für den Steg. Bonmot am Rande: Nur den häkeln die Kompagnons heute noch. Und zwar nicht nur aus nostalgischen Gründen! Die Wolle schmeichle den Zehen und verhindere ein Auftreiben der Haut, sagt der studierte Wirtschaftsingenieur Hundhammer. 

Die Produktion findet indes schon lange nicht mehr Zuhause an den ersten, selbstgebastelten Maschinchen statt. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, aber dennoch in der Region und vor allem sozial verträglich produzieren zu können, lagerten sie die Fertigung in die Caritas Wendelstein-Werkstätten im Rosenheimer Aicherpark aus. Dort steht nun der Klebetisch mit Luftabsaugvorrichtung (selbst gebastelt), eine alte, aufgemotze Ausputzmaschine zum Schleifen sowie ein paar Stanzeisen, die bahnbrechend waren für den gesamten Produktionsprozess. „Vorher mussten wir die Modelle per Hand in Form schleifen“, schmunzelt Hundhammer. 

Bald wird auch Matthias Drexlmaier sein Studium beendet haben. Dann wollen die „Schuhmacher“ schnellstmöglich von ihren Zehentrennern leben können. Sie spinnen auch schon an sportlichen „Spin-offs“. Scheint ein Schuh draus zu werden, aus „Doghammer“. 

www.doghammer.de

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