Aufbrezln deluxe

Constanze Haslacher

Wie arbeitet eigentlich eine Make-up-Artistin? himmeblau-Autorin Constanze Haslacher wagt den Beauty-Selbstversuch.

Wenn man zur Begrüßung warme Wollsocken bekommt, kann das nur ein Spitzeninterview werden. Die quirlige Blondine mit den leuchtend rot bemalten Lippen sprudelt über vor Energie – ich brauche erst mal Kaffee. Die Wohnung ist voller Fotos, Kunstobjekten und Farbe. Von der Decke hängt ein kitschiger Kerzenleuchter, an der Wand Schwarzweiß-Fotos von Gletscherlandschaften. Draußen wütet der Orkan Niklas, während wir uns mit lila „Füßen“ ins Wohnzimmer der Make-up-Artistin Mima Divljak setzen. Das befindet sich nicht in Berlin oder Paris, sondern in Bernau am Chiemsee.  

Was ein Make-Up-Artist macht, muss man vermutlich gar nicht mehr erklären. Seit Heidi Klums alljährlicher TV-Model-Soap sind wir bestens informiert, wie es so abläuft am Set. Die Hair- und Make-up Artisten sind die, die aus den hübschen Gesichtern Kunstwerke zaubern. Divljak beschreibt ihr Tun so: „Ich würde behaupten, der Beruf besteht aus 50 Prozent psychologischem Feingefühl und 50 Prozent Handwerk. Und man braucht ein Auge dafür – wie jeder Künstler ein Auge für sein Metier braucht.“ Das könne man teilweise erlernen, teilweise aber auch nicht. Divljak hat sich nach einer Friseur- und anschließenden Kosmetikausbildung ihren Traum erfüllt, sich  in der Münchener Beautiful Company zur Make-Up-Artistin ausbilden zu lassen. Da das eine der renomiertesten Schulen ist, war der Spaß nicht billig. Die damals 18-Jährige nahm kurzerhand einen Kredit auf – kein geringes Risiko. Doch direkt nach Abschluss der Ausbildung erhielt sie einen mehrmonatigen Auftrag von  MTV, dem weltweit wohl bekanntesten Musiksender, und sie konnte den Kredit umgehend abbezahlen. Ein Zeichen, fand sie – und tatsächlich sprudelten seither etliche weitere namhafte Aufträge herein. Sie begleitete Editorials für Elle, Brigitte und den Stern, hat Klienten wie Prada, Schwarzkopf,  Adidas oder den FC Bayern München. Wobei man das auf ihrer Webseite recherchieren muss, während des Interviews hält sie mit ihren Referenzen bescheiden hinter dem Berg: „Für mich ist egal, ob da ein Promi oder eine normalsterbliche Person vor mir sitzt“, sagt sie.

Jemanden „schön“ zu machen, ist es überraschenderweise gar nicht, was Mima Divljak an ihrem Beruf so begeistert. „Es geht mir mehr darum,  jemanden in eine Rolle schlüpfen zu lassen.“ Models seien dabei fast zu einfach. Jung, hübsch, da gilt es nur,  den Auftraggeber zufriedenzustellen.  Die Herausforderung bei Menschen wie du und ich sei eindeutig die spannendere. „Man muss mit der Person arbeiten, mit ihren Unsicherheiten, den Falten, dem Alter. Ich hatte schon Kundinnen, die weinten vor Glück, als sie sich im Spiegel sahen. Weil sie es nicht glauben konnten, wie schön sie sind. Das ist unbezahlbar!“, schwärmt die Künstlerin. Wann man denn als Normalsterbliche bei ihr am Schminktisch sitze? „Bei Hochzeiten zum Beispiel“, antwortet die Frau mit der Lizenz zum Aufbrezln.

Woher nimmt sie die Inspiration, an all den Modesets und für all die Werbedrehs? Mima Divljak lacht und sagt: „Die ist halt da! Ich hab halt Bock zu!“ Auf die Frage hin, was einen guten vom schlechten Make-up-Artist unterscheidet, lässt sie sich lange Zeit für die Antwort. Dann sagt sie: „Man kann keinen Beruf in ein paar Tagen oder Wochen perfekt erlernen. Das gilt auch für Make-Up-Artisten. Bei uns sagt ein Bild mehr als tausend Worte. An der Mappe sieht man letztlich, wer es wirklich drauf hat oder nur wichtigtuerisch den Pinsel schwingt .“
Als Lehrerin macht sie sich nicht wichtig, sondern gibt wichtige Tipps! Sie will dem Nachwuchs nicht nur die perfekte Pinselführung beibringen, sondern zeigen,wie es in der Modebranche zugeht. Da seien Selbstbewusstsein gefragt und eine gewisse Härte, auch sich selbst gegenüber. Wenn der Job es verlangt, muss ein Model halt auch mal bei eisiger Kälte auf der Zugspitze oder in der Gluthitze der Wüste vor Los Angeles posieren. Mitunter bis zu zwölf  Stunden am Stück, ab vier Uhr früh und ohne viel Pausen. „Wie man dieses Spiel erfolgreich spielt – das will ich weitergeben“, sagt Mima Divljak.

Glamour hat der Job natürlich auch!   Mima ist meist mittendrin statt nur dabei. Sie jettet nach Zürich, New York und Paris; tummelt sich auf spektakulären Modeshoots,  an atemberaubenden Locations; sieht die Designerfummel vor allen anderen. „Leider hat man vor Ort nicht viel Freizeit. Außer man nutzt die Nacht, aber das packe ich inzwischen nicht mehr“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Halb so wild. Sie hat alles gesehen. 

Woraus sie heutzutage Kraft schöpft, sind Wanderungen in der Heimat, auf dem Surfbrett stehen, Sonnenuntergänge hinterm Chiemsee zu genießen. „Früher war ich ein typischer Stadtmensch, habe in München, Zürich und Hamburg gelebt und es geliebt! Bis ich herausfand, dass ich einen Gegenpool zur Modewelt brauche. Und der ist hier.“ In die bayerische Provinz zog  sie der Liebe wegen – zum Freund, zu den Bergen. Sie schätzt die Landschaft, die Ruhe und die Menschen: „Kein belangloser, wichtigtuerischer Smalltalk, sondern nette Menschen, die höflich grüßen und ehrliches Interesse zeigen. „Genau das brauche ich, um mich wieder zu erden“, betont Divljak.

Madonna zu schminken – das wäre noch ein Highlight. Einfach nur der Herausforderung wegen. Doch Madonna hat an diesem Tag keine Zeit, also darf  Divljak mich aufbrezln...  

MIMA DIVLJAK | HAIR & MAKE UP ARTIST
E-Mail:   mail@mima-d.com
Tel.  +49 (0) 179 49 72 702

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