Auf „Expertenrunde“

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob

Kontrastreiche Kulisse:  Das Alpbachtal in den Kitzbüheler Alpen mit seinen urigen Almen ist ein Wanderrevier für Augen und Gaumen. 

Umringt von den schroffen Gipfeln des Rofangebirges und den grünen Grasbergen der Kitzbüheler Alpen liegt die Ferienregion „Alpbachtal Seenland“ im Herzen Tirols. Ob man lieber mit der ganzen Familie wandern will oder mit Sportskameraden so richtig schweißtreibend bergsteigen – in dieser Region kommt jeder auf seine Kosten. 900 Kilometer markierte Wander- und Spazierwege führen sicher durch die eindrucksvolle Bergwelt. 

Als eine der unzähligen Möglichkeiten an Weitwanderungen wollen wir diesmal einen Teilabschnitt der sogenannten Expertenrunde gehen. Deren Besonderheit: man kehrt für zwei Übernachtungen im Alpbachtal ein – quasi ein Bergerlebnis mit Komfort. (Man könnte sogar eine dritte Übernachtung mitnehmen, die auf einer Hütte stattfinden würde, doch wir belassen es bei der kürzeren Variante.) Äußerst gemütlich beginnt unsere Tour mit einer Gondelauffahrt. Für echte Bergfexe vielleicht etwas ungewöhnlich, doch überwindet man so bequem jede Menge Höhenmeter und kann die Wanderung mit vollen Kraftreserven auf rund 2.000 Meter beginnen.

Erster Stopp ist das Wiedersbergerhorn. Es folgt eine Gratwanderung, die Ihresgleichen sucht. Über Stunden stapfen wir einen Trampelpfad entlang – ohne merklich an Höhe zu gewinnen.  Das wir schlussendlich doch knapp 800 Höhenmeter  gut machen, wird uns erst abends bewusst. Bis dahin genießen wir die ganze Tour über eine herrliche Aussicht in alle Richtungen: vom Rofangebirge über den Achensee bis ins Karwendelgebirge und in die Stubaier  und Zillertaler Alpen. Immer im Blick hat man den großen Galtenberg, auf  2.424 Metern das Ziel der zweiten Etappe, sofern man die Expertenrunde nach Vorgabe absolviert. Insgesamt besteht dabei die Möglichkeit, vier Gipfel zu übersteigen. Zuerst das Wiedersbergerhorn, dann den Standkopf  mitsamt Möglichkeit zum Abstieg. Bleibt man wie wir am Grat, gelangt man zu den Sagtaler Spitzen. Hier wird das Gelände steiler und ausgesetzt, jedoch auch super gesichtert mit einem Steig. 

Nachdem wir die Sagtaler Spitzen überquert haben, geht es abwärts. Nach etwa fünf Stunden stoßen wir auf die Famkehralm. Eine über 400 Jahre alte Hütte, in der man die besten Schnitzel weit und breit aufgetischt bekommt, wie die Einheimischen betonen. Nach einer kräftigenden Pause spazieren wir talauswärts über den Jagdsteig, ein wunderschöner Weg durch den Wald, vorbei an alten Kuhställen und üppigen Heidelbeerfeldern. Ankunft ist in Inneralpbach, von wo aus man mit den Bus Richtung Gondelparkplatz tuckern kann. Insgesamt erweist sich dieser erste Tag als nicht übermäßig anspruchsvoll, schwindelfrei und trittsicher sollte man aber sein. Mit 800 Höhenmetern mag es nicht besonders steil zugehen,  aber 15 Kilometer in der Länge können sich durchaus sehen lassen. (Wem die Höhenmeter nicht reichen, der dreht die Tour um und fährt  mit der Wiedersbergerhornbahn zurück.)

Tag 2 soll uns auf den Gratlspitz (1.899 m) führen. Der Wetterbericht lässt uns nicht gerade in Jubelarien ausbrechen, aber nachdem uns die Sonne am Vortag fast zu großzügig verwöhnt hat, freuen wir uns regelrecht über ein paar Wolken und leichten Nieselregen. Nach kurzer Fahrt halten wir am Parkplatz unterhalb der Bischofer Alm und marschieren von dort aus über einen Forstweg zu einer Kuppe, auf der wir nach rechts auf einen Steig abbiegen. Bemerkenswert am Gratlspitz ist die Tatsache, dass man sowohl die Tourenlänge als auch die Höhenmeter gut variieren kann. Wir könnten auch ostseitig vom Klingerhof (von Thierbach ca 1,5 km der Asphaltstraße folgen. Privatparkplatz  – Parkerlaubnis einholen!) aufsteigen. Oder eine komplette Überschreitung angehen. Eine weitere Alternative wäre, etwas höher auf den nordseitig gelegenen Parkplatz (Holzalm) zu fahren, um dort zu starten. Freilich würde alles auch in umgekehrter Richtung funktionieren. Theoretisch könnten wir  also eine Woche an diesem Berg verbringen, ohne je eine Tour zu wiederholen. 

Wir steigen heute durch eine feuchte Wiese zum Steig. Wie gestern sind auch hier  Trittsicherheit und ein bisschen Schwindelfreiheit gefragt. Wer sich wagt, dem tut sich ein geradezu mystischer Weg auf. Der Nebel lässt eine Märchenwelt erstehen, in der man hinter jedem Fels Fabelwesen vermutet. Nach nicht einmal zwei Stunden erreichen wir den Vorgipfel. Eine Viertelstunde später hören wir Stimmen. Vielleicht Feen? Nun ja, fast. Am Gipfel treffen wir auf zwei Mädels, denen das Mistwetter auch wurscht war. So wurscht ist es uns allerdings nicht, dass wir unnötig lange rasten. Vom Gipfel geht es in Richtung Osten weiter. Nach knapp zehn Minuten biegen wir auf den Weg direkt ins Tal. Unter anderen Umständen wären wir gerne noch weiter dem Grat gefolgt, um die große Runde zu schaffen, doch der Regen will nicht nachlassen, also kürzen wir ein wenig ab. Trotzdem: Am Ende haben wir knapp 900 Höhenmeter hinter uns gebracht und waren vier Stunden in wirklich wundervoller Berglandschaft unterwegs. Schon als wir   – wieder trocken gelegt – im Auto hocken und zurück Richtung Heimat fahren wissen wir: Alpbachtal, Du siehst uns wieder!

www.alpbachtal.at

 

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