Auf den Spuren des Heiligen Grals

Petra Rapp

Fotos: Andreas Jacob

Der sagenumwobene Untersberg im Berchtesgadener Land hat auch auf anspruchsvolle Berggeher eine magische Anziehungskraft

Vielleicht sind es die wilden Frauen, die in den Unterwelten wohnen sollen, die einen immer wieder zu diesem Berg ziehen. Vielleicht aber auch Isais, die jüngere Schwester der Göttin Athene, die hier im „Isais-Tempel“ in einer der vielen Höhlen des Berges im Jahr 1226 erstmals erschienen sein soll und dort den Tempelrittern ihre Offenbarung und den Heiligen Gral übergab, einen schwarz-violetten Kristall. Auf jeden Fall strahlt er etwas Magisches aus, dieser  sagenumwobene Untersberg im Berchtesgadener Land. Neben dem Watzmann gehört der Untersberg zu den meist besuchten Bergen dieser Wandergegend. Sein langgezogenes Massiv  liegt halb auf bayerischer, halb auf österreichischer Seite. Der höchste Punkt des Untersberges auf bayerischer Seite ist der Berchtesgadener Hochthron auf 1.972 Metern.

Von Maria Gern bei Berchtesgaden aus sind es knapp 1.200 Höhenmeter hinauf zum Hochthron. Eine wunderschöne, nicht ganz anspruchslose Tour, die zahlreiche Varianten bietet und für die man mit Pausen schon sechs bis acht Stunden einplanen sollte. Gemeinsamer Ausgangspunkt für die verschiedenen Aufstiegsvarianten zum Gipfel ist der Parkplatz in Hintergern. Von dort aus führt der Weg – vorbei an Lamas – ein kurzes Stück auf einer Teerstraße entlang, bis man zu den letzten Gehöften kommt. Weiter geht es dann links in den Wald hinein. Unterhalb der  Rauhenköpfe stößt man auf den von Aschau heraufführenden Stöhrweg. Wenn das Wetter mitspielt, hat man hier das ganze Massiv des Unterbergs ausgezeichnet vor Augen. Es sind noch ein paar Höhenmeter am Fuße der Almbachwand zum so genannten „Leiterl“ zu bewältigen. Von dort führt  der Steig in Serpentinen auf das Hochplateau.

Wer Hunger hat: Das exponierte Stöhrhaus auf 1.894 Metern wartet hier mit ausgezeichneter Küche, in der nicht nur die Kaspressknödl mit Sauerkraut vorzüglich schmecken. Die letzten Meter  zum Gipfel schlängeln sich zwischen Latschen und Dolinen hoch. Oben am Gipfelkreuz empfängt ein phänomenaler Ausblick auf Hochkönig, Watzmann, das Steinerne Meer und die weiteren Berge der Region. Runter geht‘s entweder den gleichen Weg wie hinauf, oder beim Leiterl über den Steig 466 links  unter den Südabstürzen des Hochthrons über den Scheibenkaser (1.540 Meter), der am Nachmittag  wie schwitzend in der Sonne liegt.

Als Aufstiegs-Alternative kann man auch den Weg über das felsige Mittagsloch wählen. Das empfiehlt  sich aber nur bei trockenem Wetter. Wenn es dort nass ist, wird es ziemlich schnell rutschig. Der Weg führt unter den Felswänden entlang. Nach einer kleinen, gesicherten Kraxelei  kommt man hier direkt vor dem Stöhrhaus auf das Hochplateau. Will man diesen Weg auch wieder  hinunter, sollte man sich den Einstieg, der von oben kommend relativ schwer zu finden ist, gut merken.

Auch Klettersteigfreunde kommen am Untersberg auf ihre Kosten. Hier am Berchtesgadener Hochthronsteig sollten sich allerdings nur Geübte hineinwagen. Mit einem Schwierigkeitsgrad C/D ist der Steig für Klettersteig-Anfänger definitiv zu schwer. Kommt man den Weg von Maria Gern, gehtes auf dem breit ausgebauten Stöhrweg (AV-Weg 417) weiter, vorbei an der Talstation der Materialseilbahn und im oberen Bereich der Serpentinen über den Roßlandersteig zum Scheibenkaser. Hier geht es auf bezeichnetem Weg rechts an der Almhütte vorbei, durch eine Latschengasse und ein großes Schotterfeld zum Wandfuß und zum Anseilplatz des Klettersteigs.

Der Untersberg bietet also viele Möglichkeiten, hinauf in die Höhe, und hinunter in die Tiefen seiner Höhlen. Es gibt noch viel zu entdecken und erleben, seine magische Anziehungskraft  bleibt…

  • Routeninformationen
Starthöhe: 790 Meter
Höhendifferenz: 1.182 Meter
Gehzeit: etwa 6 bis 8 Stunden
Gebirge (Region): Berchtesgadener Alpen
Einkehrmöglichkeit: Stöhrhaus (1.894 Meter)
Ausgangspunkt: Parkplatz Hintergern (790 Meter)
Anreise/Zufahrt: Autobahn A 8 München - Salzburg.
Ausfahrt Bad Reichenhall.
Richtung Berchtesgaden (B 20)/
Bischofswiesen. Dort an der Ampel
links Richtung Maria Gern.

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