Auf den Hund gekommen

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob

Was auf den ersten Blick anmutet wie eine gewöhnliche Metzgerei, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Schlaraffenland für Kunden mit der kalten Schnauze: Willkommen im Futterparadies für Hunde.

Der Fließenboden blitzeblank gebohnert, auf einer Schiefertafel aktuelle Spezialitäten – keine Frage, eine klassische Metzgerei. Möchte man meinen. Doch dann besieht man sich das Angebot genauer: Rinderpansen, Schweineohren, Entenhälse oder jene Chips in höchst seltenen Geschmacksrichtungen stehen eher selten auf mitteleuropäischen Speiseplänen. Es sei denn – und hier liegt des Pudels Kern – man trägt Fell und Schnauze und betritt den Laden in einem Gewerbegebiet im Norden Miesbachs auf vier Pfoten. Familie Huber nämlich hat sich auf Hundenahrung spezialisiert.

Zu der innovativen Idee hat Hubers ein zotteliger Riese namens Leon inspiriert, der erste Hund der Familie. Elli und Günther Huber hatten die elterliche Traditionsmetzgerei mit eigener Schlachtung übernommen und bald auch die Vorteile für ihren Vierbeiner erkannt. Sie begannen – vorerst nur für den eigenen Leonberger – jene Schlachtnebenprodukte zu trocknen und zu verfüttern, die der Mensch für gewöhnlich verschmäht. Bekannte bekamen diese Hundefutterproduktion für den Hausgebrauch natürlich spitz und baten um Portionen für die eigenen Vierbeiner.

Aus dem Freundschaftsdienst wurde schnell ein eigener Geschäftszweig. Am heutigen, 1998 erbauten Standort bedienten das Ehepaar eine Zeit lang parallel beide Klientelen: Mensch und Hund. Doch spätestens seit der Freischaltung des Online-Shops wurde die Doppelbelastung zu groß. „Wir haben uns für die Hunde entschieden“, sagt Elli Huber, und bereute die Entscheidung bis heute in keiner Minute. Seit dem Umbau im Jahr 2010 ist „Lupus KauSnack“ von Kopf bis Pfote und vom Erdgeschoß bis unters Dach auf Hundefutter eingestellt. Die Kunden kommen aus München, Starnberg, dem Rosenheimer Land, sogar aus Österreich.

Doch was macht das Konzept so besonders? Günther Huber erläutert die Philosophie bei einer Betriebsführung. Wichtigstes Merkmal sei die reine Naturtrocknung, erklärt der Metzgermeister. Konservierungsstoffe seien bei ihnen Fehlanzeige! Die Rohstoffe stammen ausnahmslos aus bayerischer Schlachtung.

Bis aus den Rohstoffen die beeindruckend gleichmäßigen Leckerlies werden, gehen Wochen ins Land. So akkurat zuschneiden müssen die Mitarbeiter die Ware, weil Hubers festgestellt haben, dass Herrchens und Frauchens Augen quasi mitessen. In Stücke oder Streifen geschnitten, wird das Fleisch auf Spieße gesteckt und für ein paar Stunden in eine Trockenanlage gehängt. Dann geht’s hoch in die Trockenräume. Auf rund 600 Quadratmetern hängen die Erzeugnisse bei konstanten 30 Grad zwischen Belüftern und Entfeuchtern, um zwischen zwei Wochen und bis zu sechs Monaten je nach Produkt bis zu 80 Prozent an Masse zu verlieren.

Während die Rohstoffe im Produktionsprozess schrumpfen, wächst die Produkt-Palette. Günther Huber gehen die Ideen für immer neue Leckereien nicht aus. Hundechips Hundetaler, Hundecookies – da rinnt dem besten Freund des Menschen das Wasser im Maul zusammen.

Testesser ist inzwischen „Eros“, der Nachfahre Leons, wieder ein Leonberger. Wenn ihm Elli eine Handvoll Crunchies aus Blättermagen und Pansen kredenzt, dann kaut und knabbert und knurpst der sanfte Riese voller Inbrunst. „Die Konsistenz muss stimmen“, erläutert Frauchen. Abgesehen davon gelte auch im Tierreich: die Geschmäcker sind verschieden. Dieser Verschiedenheit begegnet der Familienbetrieb mit einer einzigartigen Produktvielfalt. Neben den Kausnacks hält Günther Huber ein großes Sortiment an Frischfleisch zum Barfen (Biologisch artgerechte Rohfütterung) sowie eine Auswahl an Reisflocken und Gemüse parat. Außerdem steht Trockenfutter der Firma Bubeck zum Verkauf bereit.

Wer nicht bis Miesbach Gassi gehen will, muss nicht auf die Schmankerl verzichten. Über den Online-Shop lässt sich das gesamte Sortiment unkompliziert bestellen, Hubers liefern europaweit. Doch Vorsicht! Einmal von den Snacks gekostet, wird Ihr Hund künftig kräftig mitbellen wollen, wenn es um die Zusammenstellung des Einkaufszettels geht.

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