Astreine Unikate

Julia Schuster

Fotos: Andreas Jacob, Klaus Hertkorn

Sie sind federleicht und einzigartig: Die Holzbrillen aus dem Hause Hertkorn in Bad Endorf verschaffen ihren Trägern den stilvollen Durchblick.

Schon aus der Ferne fällt Vorbeifahrenden die überdimensionale Brille ins Auge, die an der Hertkorn Holzbrillen Manufaktur direkt an der Landstraße zwischen Prutting und Bad Endorf prangt. Im Showroom des Holzgebäudes treffen moderne Elemente auf rustikales Flair. Durch ein altes, weiß lackiertes Fenster in einem Raumteiler dringen Schleifgeräusche. Dahinter verbirgt sich Klaus Hertkorns Werkstatt, in der er einem neuen Brillengestell gerade den letzten Schliff verpasst. Ebenso wie die riesige Brille draußen dienen auch ihre kleineren Artgenossen aus dem Hause Hertkorn als echter Blickfang. Das Besondere: Die Brillen bestehen aus Holz, sind federleicht und einzigartig. Denn jede Brille ist ein Unikat und wird für den Träger individuell angefertigt. „Im Sommer kommen oft Urlauber herein, weil sie die große Holzbrille draußen gesehen haben und neugierig geworden sind“, erzählt Klaus Hertkorn. Mit viel Enthusiasmus führt er die Besucher dann durch seinen Showroom und erzählt von seiner Arbeit. „Die Leute sind immer wieder überrascht, wie wenig die Brillen wiegen“, verrät der Schreinermeister. Denn entgegen der weit verbreiteten Assoziation, dass Holz schwer und massiv sei, bringe ein Brillengestell aus dem Naturmaterial nur zarte 10 bis 14 Gramm auf die Waage.

Die Idee, Holzbrillen zu fertigen, stammt von Hertkorns Sohn Lukas. „Ich bin seit 30 Jahren Schreiner, aber je älter man wird, desto anstrengender wird der Beruf“, sagt der Senior. Deshalb überlegte das Vater-Sohn-Gespann, was man Schönes und Nützliches aus Holz fertigen könnte, ohne schwere Balken und Bretter stemmen zu müssen. Wie durch eine Eingebung führten die Überlegungen zur Holzbrille – einem Gegenstand, der schon vor über 600 Jahren von geschickten Handwerkern hergestellt wurde, heute dank moderner Technik jedoch viel filigraner und vielseitiger produziert werden kann. Nach rund einem Jahr Entwicklungszeit spezialisierte sich Hertkorn auf die Herstellung der außergewöhnlichen Brillen. Um sich neben anderen Herstellern zu etablieren, legt der Bad Endorfer besonderes Augenmerk auf individuelle Einzelanfertigungen. Neun Modelle in acht verschiedenen Holzfarben und drei Kopfbreiten stehen zur Auswahl. Ein weiterer Vorteil der Holzbrillen: Sie lassen sich reparieren und tragen damit auch zur Nachhaltigkeit bei.

Aber wie entsteht eigentlich aus einem Stück Holz eine solch filigrane Brille? „Jedes Gestell wird aus acht millimeterdünnen und miteinander verleimten Holzlagen gefertigt“, erklärt der Schreiner. Dabei komme überwiegend Nuss und Ahorn zum Einsatz. Hölzer wie beispielsweise Eukalyptus, Ebano, Zirkote oder Mooreiche zieren die Front- und Innenseiten der Brillen. Für die ganz persönliche Note graviert Hertkorn den Namen des Trägers auf einen Bügel. Abschließend überzieht er das Gestell mit einem matten Lack, um es vor Umwelteinflüssen zu schützen.

Ganz ohne den Optiker geht es natürlich nicht: Die Gläser muss sich der Kunde beim Fachmann anpassen lassen. Zahlreiche Optiker aus der Region und deutschlandweit arbeiten bereits mit der Manufaktur in Bad Endorf zusammen – und es werden stetig mehr. „Wenn jemand Interesse an einer Holzbrille hat, kann er seinen Optiker bitten, einen Koffer mit Musterbrillen bei mir zu bestellen“, erläutert Hertkorn. Sonnenbrillen mit Gläsern ohne Sehstärke können direkt bei der Holzbrillenmanufaktur erworben werden. Für ein besonderes Heimatgefühl sind diese übrigens nach Orten aus der Region wie zum Beispiel Chieming, Prien oder Seebruck benannt. An optisch verglasbaren Fassungen steht das ganze Sortiment zur Auswahl und Anprobe bereit. Ein Besuch lohnt sich.

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