Aphrodites Garten

Julia Schuster

Fotos: Andreas Jacob

In ihrem Rosengarten in Petting empfängt Brigitta Mayer interessierte Besucher, die Inspiration und Beratung rund um die Gartengestaltung und die „Blume der Liebe“ suchen.

Ein Symbol der Liebe und der Leidenschaft, aber auch der Eifersucht und der Unschuld – die Bedeutungen der Rose sind genauso vielfältig wie die Blume selbst. Rund 30.000 verschiedene Arten gibt es weltweit. Die Sprache der Blumen brachte damals wie heute Gefühle zum Ausdruck, die nicht in Worte gefasst werden können. Eine besondere Bedeutung findet die Rose in der griechischen Mythologie: Der Sage nach wurde Aphrodite – die Göttin der Liebe – mit einem Strauß weißer Rosen aus dem Schaum des Meeres geboren. Weil sie ihren späteren Ehemann Ares mit dem schönen Adonis hinterging, tötete der betrogene Mann den Nebenbuhler. Als Aphrodite zum sterbenden Adonis eilte, trat sie mit ihren bloßen Füßen in die Dornen der weißen Rosen. Ihr Blut färbte diese rot. Seither gelten rote Rosen als Symbol für Begierde und Leidenschaft, während die weißen zum Sinnbild von Unschuld und Reinheit wurden.

Jene Reinheit bewahrt auch Brigitta Mayer in ihrem bezaubernden Rosengarten am Rande der Ortschaft Petting im Landkreis Traunstein. „Weiße Rosen sind etwas Besonderes“, schwärmt sie. Der romantisch gestaltete Garten ist deshalb vor allem in Weiß und Grün gehalten. Nur vereinzelt finden sich blaue oder rosa Farbtupfer. Rund 80 Rosen und 30 Hortensien blühen zwischen Buchshecken und -kugeln, Eiben und Clematis. Vor allem historische Rosensorten haben es Brigitta Mayer angetan. „Die sind sehr robust und duften einfach himmlisch“, findet sie. 

Mit viel Liebe zum Detail schuf Brigitta einige beschauliche Oasen aus Sitz- oder Liegegelegenheiten, umrahmt von den duftenden Blüten. „Vor allem Männer nutzen diese Erholungsmöglichkeiten gerne, während die Frauen sich im Garten oder Laden umsehen“, erzählt sie schmunzelnd. Durchquert man den wunderschönen Garten, gelangt man in einen großzügigen Wintergarten, in dem die Hobbygärtnerin stilvolle Garten- und Wohnaccessoires zum Verkauf anbietet. Auch hier ist Weiß die vorherrschende Farbe. In den Regalen und auf den Tischen warten Tischdecken, Kissen, Bauernsilber, Porzellan und Keramik darauf, entdeckt zu werden. Vieles davon glänzt im französischen Vintage- und Landhausstil. Für draußen bietet Brigitta Dekorationen aus englischem Steinguss oder Eisen, Kletterhilfen und vieles mehr an. Viele dieser Schmuckstücke zieren auch ihren eigenen Garten, den sie jedes Jahr neu gestaltet.

Die Arbeit im Garten übernimmt die Blumenfreundin überwiegend selbst, gelegentlich wird sie dabei auch von ihrem Ehemann Peter unterstützt. „Aber Arbeit, die Freude bereitet, ist keine wirkliche Arbeit“, betont sie. Das Gefühl für Formen und Schnitte eignete sie sich in ihrer langjährigen Tätigkeit als Friseurin an, ehe sie die Haar- gegen die Gartenschere tauschte.

Während der Garten unter Einheimischen beinahe als Geheimtipp gilt, finden gelegentlich sogar Busse bei Gartenreisen ihren Weg zu dem versteckten Blumenparadies, um sich inspirieren und beraten zu lassen oder einfach nur den verführerisch duftenden Anblick zu genießen. Auch frisch vermählte Paare nutzen den romantischen Ort als Kulisse für Hochzeitsfotos mit dem besonderen Etwas. Der Pavillon, die Sitzbank am Teich oder am Fuße des Apfelbaums sind nur einige der beliebten Motive. „Es ist immer wieder eine Ehre, wenn ich einen Teil zu diesem besonderen Tag der Paare beitragen darf“, freut sich Brigitta, die häufig auch den Brautstrauß bindet und die Festräume und Kirchen dekoriert.

Jeden zweiten und dritten Donnerstag im Monat lädt Brigitta zum Kaffeekränzchen in ihren Garten ein. Ihre Gäste verwöhnt sie mit Kuchen, Torten und Getränken gegen eine freiwillige Spende ins Sparschweinderl, mit dessen Inhalt sie die Kinderkrebshilfe oder andere soziale Einrichtungen unterstützt. Mehrmals im Jahr veranstaltet die Rosengärtnerin auch saisonale Gartenfeste.

Abends, wenn die tägliche Gartenpflege getan und der letzte Gast gegangen ist, sitzen Brigitta und ihr Mann auf der überdachten Terrasse und genießen den Duft und den Anblick der vielen Blumen. „In der Abenddämmerung, wenn rote Rosen längst im Dunkel verschwinden, leuchten die weißen noch bis in die Nacht hinein“, sagt die Blumenmutter verträumt und fügt hinzu: „Deshalb liebe ich die weißen Blüten so sehr!“

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