Alten Werten treu

Christian Topel

Fotos: Andreas Jacob/Christof Böklen

In Gaststätten, im Stammhaus oder auf der Wiesn: Zahlreiche Exponate erzählen die bewegte Geschichte von Flötzinger Bräu. Die Inhaber investieren viel in den Erhalt dieser alten Zeugnisse.

Wer sich für die historische Entwicklung einer Stadt oder Region interessiert, konsultiert naturgemäß entweder Bücher oder spaziert ins örtliche Heimatmuseum. Klar, hier finden sich zahlreiche Exponate und Dokumente, die ein umfangreiches Bild zeichnen von den Veränderungen in Kunst und Kultur, Handwerk und Landwirtschaft, Stadt- und Ortsbild sowie weiteren Bereichen. Doch es gibt auch andere Institutionen, die sich um den Erhalt und die Pflege alter Werte und Gegenstände kulturhistorischer Bedeutung verdient machen. Rosenheims letzte Privatbrauerei beispielsweise, der Flötzinger Bräu, blickt selbst auf fast 500 Jahre Braugeschichte zurück. In dieser Zeit haben sich auch viele „Schätze“ angesammelt, die teils durchaus musealen Wert haben und doch für Jedermann sichtbar zugänglich sind. Man muss nur die Augen offen halten!   

Das Flötzinger-Festzelt etwa, alljährlich in klassischer Holzständer-Bauweise errichtet, weist auch deshalb  einen unnachahmlichen Charme auf, weil Seniorchef Franz Steegmüller bei der Ausgestaltung mit Leidenschaft an der Tradition festhält. Imposantes Beispiel: Das circa vier auf vier Meter große Gemälde, das über der westlichen Pforte hängt. In den 50er Jahren gemalt, hat der Zahn der Zeit so stark an dem eine bäuerliche Szene zeigenden Prachtstück genagt, dass die Brauerei es jetzt restaurieren ließ. Wie schon bei anderen Projekten dieser Art übergab Familie Steegmüller diese ehrenvolle Aufgabe in die Hände des gelernten Kirchenmalers Christof Böklen.  

 

Der in Soyen bei Wasserburg arbeitende Restaurator fand ein reichlich ramponiertes Stück vor. „Die Ränder des an Pressspan erinnernden  Trägermaterials waren durch das jährliche Auf- und Abbauen und Einlagern völlig ruiniert“, erinnert sich Böklen. Ein befreundeter Schreiner nahm deshalb außen acht Zentimeter ab (an den Ecken sogar mehr) und ersetzte sie durch eine robuste Mehrschichtplatte. Letztlich ersetzte man den gesamten Rand sowie einen beachtlichen Streifen in der Mitte. „Wir haben das Bild gereinigt, ungefähr 300 alte Klammern und Nägel entfernt sowie die losen, abblätternden Stellen entfernt“, erklärt Böklen. Im Grunde sei daraufhin  nicht mehr viel übrig gewesen; der Baum nicht mehr erkenntlich und auch Teile der Figuren und Pferde eher zu erraten. „Eigentlich haben wir das Bild neu gemalt“, schmunzelt der freischaffende Künstler, der dabei mit dem Kollegen Stefan Haimerl zusammenarbeitete. 

Wie ging das Duo genau vor  bei dem „Bierzelt-Gemälde“? Gearbeitet wurde von hinten nach vorne, d. h., erst enstand der Himmel, dann die Wiesen und zuletzt die Details im Vordergrund. Bei der Gelegenheit nahmen die Künstler auch sanfte Verbesserungen vor – beispielsweise bei der Form der Pferde. Auch den Baum ließen sie komplett neu erstehen. „Einzig die Schrift war dankbar zu retuschieren, weil wir fehlende Stellen logisch schlussfolgern konnten“, erzählt Böklen. Die Kunst liege bei solchen Arbeiten darin, das Bild am Ende eben nicht neu aussehen zu lassen, sondern seinen „altehrwürdigen“ Charakter zu erhalten. Es gehe nicht um Perfektion. „Wir wollen nichts totrenovieren“, betont Böklen. Die abschließend aufgetragene Patina hat aus dem Objekt wieder ein frisches, aber doch  alt wirkendes Bild gemacht.

Franz Steegmüller ist mit dem Ergebnis hochzufrieden. „Damit erhalten wir das besondere Flair in unserem Festzelt“, sagt der Brauerei-Chef. Und hat bereits weitere Restaurationen im Auge. „Wir wollen dadurch Traditionen und frühere Werte erhalten helfen“, so Steegmüller. Eins verrät er schon: Diesmal wird ein in der Region einzigartiges Objekt am Stammhaus instandgesetzt. [ct]

www.floetzinger.de

 

 

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