Als die Bilder fahren lernten

Er lässt in Stadt und Land dank historischer Kinotechnik, umfunktionierten Fahrzeugen und stilvoller Ausstattung eine ganz besondere Kinostimmung aufleben – der Rosenheimer Verein Kinokultur.

Christian Topel

Foto: Kinokultur Rosenheim e. V.

„Für uns ist Kino mehr als eine reine Abspielstätte“, sagt Bastian Schröger. Der Filmverrückte ist Mitbegründer des Vereins „Kinokultur Rosenheim“, ein Zusammenschluss junger Leute, die Filme unkonventioneller vorführen, als man es aus den großen Massenabfertigungshallen gewohnt ist. Schröger und seine beiden Vorstandskollegen Christian Anner und Jan Jäger machen es ein wenig wie der Berg mit seinem Propheten. Statt die Menschen in Betonklötze zu locken, kommt die Crew zu den Menschen – und bietet nicht nur Filme!

„In Kooperaation mit Stadtoasen-Rosenheim verwandeln wir zum Beispiel öffentliche Räume, Brachen und Entwicklungsflächen in temporäre Wohlfühlflächen“, erzählt Bastian. Ziel sei, Bürger zu ermutigen, sich öffentliche Flächen anzueignen, Orte ins Bewusstsein zu rücken und innovative Nutzungen zu erproben. Vor und nach der Vorstellung wollen die Cineasten ihren Gästen den Aufenthalt durch Kino und Kultur angenehm gestalten. Also können im Umfeld auch Konzerte mit lokalen Künstlern stattfinden, Live-DJs spielen, Kunstaktionen (Graffity, Knitting)  ablaufen und und und. Wertvollstes Utensil dabei: Das feuerrote Kinomobil.

Die Farbe  kommt nicht von ungefähr: den ausgedienten VW LT aus dem Jahr 1975 konnte der Verein von der Berblinger Dorffeuerwehr ablösen und umrüsten. So wurde auf dem Schlitten der ehemaligen Tragkraftspritze der Projektor ausziehbar installiert; Regale für technische Ausstattung und Bierbänke gebaut; Platz für die riesige Popcorn-Maschine und einige Kinorequisiten geschaffen; und nicht zuletzt eine Dachhalterung für die Leuchtreklame konstruiert. Wozu der Aufwand? Um die Kinofilme auch an den entlegendsten Orten zeigen zu können. Tatsächlich tingelte der ehemalige Tragkraftspritzentransporter schon von Baierbach am Simssee bis hinauf nach Berlin. „In dem Projektionswagen arbeitet übrigens ein echtes Stück Rosenheimer Kinogeschichte“, erzählt Bastian. Eine Philips Fp-20 aus dem ehemaligen Capitol Kinozentrum, so umgebaut und modifiziert, dass auch aktuelle Tonformate wie Dolby-Digital wiedergegeben werden können. Mit einer Lichtleistung von drei bis sieben Kilowatt ist sie auch für das Bespielen der mit 14 Metern größten Bildwand geeignet. „Damit sind wir in der Lage, fest vor Ort stehende Veranstaltungen von nahezu jeder Größe zu bespielen“, sagt Schröger.

Wie lauschig so ein von Bastian und seinen Jungs und Mädels organisierter Kinoabend sein kann, wird sich wieder bei der Kinokultur Woche am  Rosenheimer Salzstadel von Freitag, 5. Juli, bis Samstag, 13. Juli, beweisen. In dieser Zeit zeigt der Verein jeden Abend ab Einbruch der  Dunkelheit einen anderen Film – und zwar traditionell eher Perlen der Filmkunst als bräsige Blockbuster. Dieses Jahr wurde Rosenheim sogar  neben Köln und Berlin für das „ARD-Sommerkino“ ausgewählt! Die ARD präsentiert exklusiv den Ocar gekrönten „The King´s Speech“. Der Eintritt ist traditionell frei, Getränke sowie Süßwaren sind zu einem fairen Preis im Cafémobil zu erwerben. Die Gastronomie mit Popcorn, Nachos, ARAN-Kaffeespezialitäten sowie der Getränkepavillon mit edlen Bieren und gekühlten alkoholfreien Getränken von der Schloßbrauerei Maxlrain und dem Flötziger Bräu öffnet bereits ab 18 Uhr.

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