Zum Lachen auf den Friedhof gehen

Julia Schuster

Fotos: Julia Schuster

Es ist ein kalter aber sonniger Novembertag. Die verbliebenen Blätter an den Bäumen leuchten rot und gelb im Sonnenlicht. Auf den umliegenden Bergen glänzt bereits der Schnee. Der kleine Ort Kramsach in Tirol gleicht beinah einer Geisterstadt - keine Menschenseele weit und breit, Totenstille.

Bekanntheit erlangte die kleine Stadt vor allem durch ihren Friedhof. Hier handelt es sich aber nicht um einen normalen Friedhof, denn hier werden keine Toten betrauert. Ganz im Gegenteil, der Museumsfriedhof oder auch der „lustige Friedhof“ zaubert seinen Besuchern stets ein Schmunzeln ins Gesicht. Was zunächst makaber klingt, entpuppt sich mit seinen kuriosen Gedenksprüchen auf alten schmiedeeisernen Grabkreuzen schnell als unterhaltsame Freizeitattraktion. Marterlsprüche wie „Hier schweigt Johanna Vogelsang, sie zwitscherte ihr Leben lang“ oder „Unter diesem Rasen liegt die versoffene Kupferschmied Nasen“ sind nur zwei Beispiele der über 900 historischen Kreuze aus dem Alpenraum, die die Familie von Museumsfriedhofdirektor Hans Guggenberger im Laufe der letzten Jahrzehnte sammelte. Die meisten davon lagern jedoch in einem Depot, da die Restauration sehr aufwändig und teuer ist. Einige stehen aber der Öffentlichkeit zur Begutachtung zur Verfügung.

 

 

Gewundene Wege und Trampelpfade schlängeln sich durch das kleine Waldstück, auf dem die aufpolierten Grabkreuze verteilt sind. Diese beeindrucken nicht nur durch die feine Schmiedekunst und die heiteren Sprüche, sondern geben vor allem auch einen Einblick in die Geschichte und Kultur der alpenländischen Menschen zu damaligen Zeiten. Inschriften wie „Es liegt begraben die ehrsame Jungfrau Nothburg Nindl, gestorben ist sie im siebzehnten Jahr just als sie zu brauchen war“ verdeutlichen die damalige Denkweise. So fungierte die Ehe oftmals nur als Zweckgemeinschaft. Dies zeigt sich auch durch folgenden Spruch: „Hier liegt mein Weib, Gott seis gedankt, oft hat sie mit mir gezankt. O lieber Wanderer geh gleich fort von hier, sonst steht sie auf und zankt mit Dir.“

Trotz des traurigen Themas ist Lachen erlaubt. „Hier liegen sowieso keine Toten begraben“, beruhigt Hans Guggenberger. Der Sammler beobachte gern die Mimik der Besucher und freue sich dann stets wie ein großer Lausbub über die amüsierten Gesichter. Auch für sein eigenes Grabkreuz hat der Steinmetz bereits einen Reim verfasst: „Wanderer steh still und weine, hier ruhen meine Gebeine. Ich wollt' es wären deine."

 

 

Der Museumsfriedhof ist täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, im Winter von 10:00 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit. Der Eintritt ist kostenlos. Zu finden ist der Friedhof in Hagau 80, A-6233 Kramsach in Tirol.

www.museumsfriedhof.info

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