Big Apple und Bermuda

Eike Schlüter

Fotos: Royal Caribbean, Eike Schlüter

Eine Karibik-Kreuzfahrt ab New York hat ihren ganz eigenen Charme.

Es ist vermutlich der Traum eines jeden Kreuzfahrers: einmal in den Hafen von New York einlaufen. An der Freiheitsstatue vorbei – und die faszinierende Silhouette des „Big Apple“ immer im Blick. So, wie es vor mehr als 100 Jahren Millionen von Einwanderern erlebt haben.

Zugegeben: Etwas bequemer haben wir‘s hier oben schon. Wir sitzen im rundum verglasten „Solarium“ auf Deck 14 der „Anthem of the Seas“, einem hochmodernen und 347 Meter langen Ozeanriesen, der von der Meyer Werft in Papenburg gebaut wurde. Es ist sechs Uhr morgens, der Himmel strahlend blau – und wir sind ziemlich überrascht, dass der Großteil der Reisenden an diesem letzten Kreuzfahrttag scheinbar lieber nochmal ausschlafen möchte, anstatt die Ankunft in New York vom Deck aus zu genießen.

Vielleicht gab es einfach schon zu viele Höhepunkte auf dieser sicherlich unvergesslichen Reise. Zehn Tage schipperte die Anthem of the Seas der US-amerikanischen Kreuzfahrtgesellschaft „Royal Caribbean“ mit über 4.000 Passagieren und fast 2.400 Besatzungsmitgliedern von New York aus in die Karibik und wieder zurück. Erster Stopp war das malerische Kings Wharf auf den Bermuda-Inseln. Von dort ging es weiter auf St. Marteen in den Niederländischen Antillen, wo das türkisblaue Wasser des Karibischen Meers endgültig Badewannentemperatur erreichte. Nur einen Tag später schlenderten wir dann durch die Gassen der historischen Altstadt von San Juan in Puerto Rico. Am letzten Halt war schließlich nochmal Badespaß angesagt: In Labadee auf Haiti betreibt Royal Caribbean extra für seine Kreuzfahrtgäste einen eigenen Privatstrand, der zu einem regelrechten Vergnügungspark ausgebaut wurde.

Auch auf dem Schiff kam zehn Tage lang keine Langeweile auf: Ob 90 Meter über dem Meeresspiegel schweben mit der Aussichtsgondel „North Star“, Fallschirmspringen im Windkanal, Surfen im „Flowrider“, Fliegen am Trapez, Autoscooter, Fußball, Basketball, Kletterwand, Badespaß, Fitness, Wellness, Kinderbetreuung – das Motto scheint zu lauten: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Die Passagiere können köstlich speisen in einem der 20 Restaurants, anschließend einen Drink an einer der zwölf Bars und Lounges genießen, in der Royal Esplanade shoppen, abends ein spektakuläres Queen-Musical auf Broadway-Niveau oder eine der vielfältigen Shows und Live-Bands erleben und danach vielleicht noch ins Casino oder in die Disco gehen. Und das jeden Tag aufs Neue. Kein Wunder also, dass an diesem Morgen bei der Ankuft in New York noch kaum einer so richtig aus den Federn kommt.

Die Stadt, die eigentlich niemals schläft, eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt oder Ziel einer Kreuzfahrt. Die erholsame Zeit auf einem der zahlreichen Urlaubsdampfer, die vor New York an- und ablegen, lässt sich so ideal mit einem Städtetrip verbinden. Nicht nur amerikanische Anbieter wie Royal Caribbean fahren von hier aus in die Karibik, zu den Bermuda-Inseln, nach Neuengland oder Kanada. Auch die deutsche Mein-Schiff-Flotte der TUI steuert regelmäßig den Kreuzfahrthafen Port Liberty in Bayonne vor den Toren des „Big Apple“ an. Jedes Jahr werden sogar Transatlantikreisen von oder nach Hamburg angeboten. Auf diesen lässt sich vermutlich noch besser nachempfinden, wie es den unzähligen Einwanderern damals auf hoher See erging. – Nur weitaus sicherer und komfortabler, versteht sich.

Zurück