Nostalgiefichte anno 1572

Axel Effner

Fotos: Axel Effner/Gebr. Dufter

Mit ihrer einzigartigen Bearbeitungsmethode für Rustikalholz feiern die Gebrüder Dufter aus Inzell europaweit Erfolge.

Rattern, knirschen, klopfen oder kreischen: Fehlanzeige! Die Zaubermaschine, mit der im Betrieb der Gebrüder Dufter in Inzell aus frisch geschlagenem und abgelagertem Holz etwa eine „Nostalgiefichte Anno Domini 1572“ in edel-antiker Hackoptik wird, arbeitet in gedämpfter Tonlage. Ein schlichtes „Simmm“ und im Nu ist das Holz um Jahrzehnte, wenn nicht ein Jahrhundert gealtert. Zumindest von der Optik her.

Risse, Hack-, Ausbleich- und Verwitterungsspuren lassen die Teile aus Fichten-, Lärchen-, Zirben- oder Eichenholz wie Material aus alten Stadeln oder wettergegerbten Gebirgshütten erscheinen. Allerdings ohne die Nachteile von echtem Altholz: Schädlingsbefall, Rückstände oder eine problematische Statik.

Ein in dieser Perfektion bisher einzigartiges Bearbeitungsverfahren im „Hackomat“ macht es möglich, neuem Holz den begehrten Rustikal-Look zu geben. Der Landkreis Traunstein zeichnete die drei Holzexperten dafür 2016 als eines von fünf innovativen Unternehmen mit dem Wirtschaftspreis des „Chiemgau Panthers“ aus.

Mit ihrem Nostalgieholz sind die drei Inzeller inzwischen im gesamten Alpenraum, aber auch an Nord- und Ostsee und sogar in der hohen Tatra in der Slowakei gefragt. Es kommt in der Architektur historischer Bauten, in der Gastronomie sowie in Skihütten und Brauereien zum Einsatz. Ebenso wird es im Denkmalschutz, beim Neubau von Häusern und Saunen oder bei Holzblockschalungen verwendet.

„Es ist die Leidenschaft für Holz und das Tüfteln, die uns drei Brüder in besonderer Weise verbindet“, erklärt Franz Dufter. Er ist ebenso wie sein älterer Bruder Hubert Zimmerermeister. Stephan, der jüngste, ist Maschinenbauer. Die Begeisterung für ihre Berufe haben die drei von ihrem Vater Albin geerbt. Der war angestellter Zimmerer und zugleich leidenschaftlicher Maschinentüftler im Nebenberuf. Er baute einen eigenen Traktor für die Landwirtschaft der Familie oder konstruierte eine Eisfräse, mit der sich die Natureisbahnen des Wintersportorts aufbereiten ließen. In der hofeigenen Werkstatt halfen die Brüder bei Möbel- oder Dachstuhlarbeiten mit und besserten ihr Taschengeld auf. Die Idee, eine eigene Firma zu gründen, hatten Hubert, Franz und Stephan Dufter 1992. „Wir starteten auf dem elterlichen Hof mit einer Zimmerei“, erzählt Franz. Schnell war auch klar, wie man sich ein Alleinstellungsmerkmal erarbeiten konnte.

„In den 1980er-Jahren kam der Trend auf, das Holz mit dem Zimmererbeil aus dem Stamm herauszuhacken, wie das vor Einführung der Sägewerke mal Tradition war.“ Vor allem in der Schweiz war dieses Holz mit Nostalgielook-Oberfläche beim Bau von Skihütten, Gasthöfen und Restaurants der Renner.

„Wir haben uns dann überlegt, ob das maschinell nicht viel rationeller zu erledigen ist“, erinnert sich Franz. Stephan, der davor bereits im Inzeller Bauhof an Entwicklung und Bau spezieller Schneeschleudern mitgearbeitet hatte, konstruierte die erste Hack-Maschine. „Die hatte noch zwei Motoren und war mit vielen Bauteilen vom Schrotthändler zusammengesetzt. Da zwickte ständig irgendwas“, sagt der jüngste Dufter-Bruder schmunzelnd.

In jahrelanger Entwicklungsarbeit ist aus dem patentierten „Hackomat“ inzwischen ein Hightech-Gerät geworden. Das Unikat voller technischer Raffinessen besitzt 25 einzelne Motoren für die Bewegung der Hackklingen und wird per CNC gesteuert. Das Besondere ist das völlig unregelmäßig verlaufende Muster der Oberfläche, das die maschinelle Bearbeitung nicht erkennen lässt. In der eigenen Werkstatt arbeitet Stephan inzwischen an der Entwicklung einer zweiten Maschine.
Mit der Perfektion der Holzbearbeitung und dem steigenden Durchsatz stieg auch die Nachfrage bei den Dufters immer weiter. 2005 zog das Unternehmen aus dem Stadel im elterlichen Anwesen in ein neues Betriebsgebäude an der Traunsteiner Straße um. Auf dem ein Hektar großen Areal sorgen inzwischen vier große Produktions- und Lagerhallen dafür, dass der Nachschub an Frischholz und bearbeitetem Nostalgieholz nicht abreißt. „Das ist vor allem für Großaufträge wichtig“, erklärt Franz Dufter. Pro Monat werden im Durchschnitt 350 Kubikmeter Holz umgesetzt.

Die rund 20 Mitarbeiter sind inzwischen fast ausschließlich mit dem Bearbeiten der Bretter, Balken und Sonderteile wie Balkonbrüstungen, Dachrinnen und Blockwandschalungen beschäftigt. Die Zimmerei – früher geschäftliche Stütze des Unternehmens – wird seit einigen Jahren nurmehr für die Lehrlingsausbildung beibehalten. Obwohl Handarbeit nach wie vor großgeschrieben wird, wie ein Betriebsrundgang schnell verdeutlicht.

Längst ergänzen zudem besondere Dienstleistungen das Angebotsspektrum. So erhält mit Hilfe eines speziellen Dämpf- und anschließenden Trocknungsverfahren neues Holz aus dem Sägewerk oder bereits gehacktes Holz eine rauchig-dunkle, antike Patina. Und das alles ohne Farbzusatz oder giftige Imprägniermittel. Balken für Holzkonstruktionen können vor und nach dem Abbund in der Hackanlage bearbeitet werden und so auf „Nostalgieholz“ getrimmt werden. Der Grad der Hackoptik von fein bis rustikal lässt sich überdies variabel einstellen.

Ebenso wie das Angebotsspektrum hat sich für das Inzeller Unternehmen auch der Kundenkreis erweitert. Davon zeugen zahlreiche Lastzüge vor der Firma, die täglich Holz an- und abtransportieren. Waldbauern, die Bauholz gestalten lassen wollen, gehören ebenso dazu wie Zimmerer, Schreiner, Holzhändler oder Architekten und private Bauherren. Auch Prominente wie Star-Torwart Manuel Neuer, Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz, Ski-Ass Marcel Hirscher oder Schlagerstars schwören für ihr Eigenheim auf Nostalgieholz in Dufteroptik.

Dass Produkte wie die „Nostalgiefichte Anno Domini 1572“ oder die sattbraune „Thermofichte gehackt und gebürstet“ gut ankommen, stellen Hubert, Franz und Stephan Dufter auch auf den zahlreich besuchten Fachmessen fest.

„Dieses Antikholz vermittelt einfach Wärme, Gemütlichkeit und Gelassenheit“, sinniert Franz Dufter. „Gerade in unserer heutigen Zeit ist der Bedarf dafür offenbar größer denn je.“

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