Mit Sonne und Aussicht

Petra Rapp

Fotos: Petra Rapp

Unsere Autorin Petra Rapp unternimmt von der Walchsee-Seite eine Südseiten-Rundtour zum 1.353 Meter hohen Brennkopf.

Der Altweibersommer ist schon weit weg, aber es ist auch noch nicht genug Winter, um Ski oder Rodel auszupacken? Dazu oft Inversionswetterlage mit kalter Luft und Nebel unten oder gar richtiges November-Schmuddel-Depressionswetter? Dann unbedingt trotzdem raus! Denn gerade, wenn man nicht damit rechnet, wird es oft unverhofft schön und Bewegung gilt als gutes Mittel gegen depressive Verstimmungen. Wer beispielsweise einmal in der warmen Sonne oben am Gipfel auf das kühl-feuchte Nebelpaket unten im Tal geblickt hat, weiß, was gemeint ist. Um die Berge im Spätherbst oder Frühwinter so richtig zu genießen, sollte man sich aber auf alle Fälle eine Südseiten-Tour aussuchen. Wegen der wärmenden Sonnenstrahlen und um nordseitig eventuell schon vereisten Steigen aus dem Weg zu gehen. Eine sehr schöne und – wie bei allen Touren, bei denen oben keine Einkehrmöglichkeit wartet – relativ wenig begangene Tour ist die Route hinauf zum Brennkopf von Tiroler Seite aus.

Der Brennkopf liegt hoch oben über dem Walchsee und gehört zu den südlichen Ausläufern der Chiemgauer Alpen. Sein Nachbargipfel, der Wandberg, mag zwar bekannter sein, aber die Aussicht oben vom Bankerl am Gipfelkreuz des Brennkopf auf das Kaisergebirge, einen Großteil der Alpenhauptkette, das Inntal im Süden und Westen und den Geigelstein im Norden, ist bei klarer Sicht einfach fantastisch. Wege hinauf gibt es mehrere, alle sind sehr abwechslungsreich und meist relativ einsam.

Die Südseitentour vom Wanderparkplatz am Sportplatz bei Walchsee führt über die Sackgasse in Winkl den beschilderten Weg 54 hinauf zum breiten Wiesengipfel. Zuerst am Parkplatz links entlang der Teerstraße, dann rechts und bei den Häusern links den Schildern Richtung Wandberghütte, Burgeralm, Brennkopf, Hitscheralm folgen. Weiter geht es nordwärts durch ein kleines Gatterl in den Wald hinein auf einen Steig, weiter über offene Wiesenhänge mit freiem Blick auf Walchsee und wieder in den Waldsteig, der in einem Forstweg mündet. Diesem links ein Stück weit folgen, bevor es wieder rechts hinauf und vorbei an einer verlassenen Alm mit altem Transportlift – oder zumindest dem, was davon übrig ist – auf einem oft ziemlich feuchten Wiesenpfad am Waldrand entlang bergauf geht. Hier ist unbedingt gutes Schuhwerk notwendig, sonst kann man in den tiefen Tritten der Kühe schon mal im Schlamm versinken. Auch Stöcke sind hilfreich, um im Gleichgewicht zu bleiben.

Weiter der Beschilderung Richtung Brennkopf/Hitscheralm folgen und durch den schönen Bergwald über den Waldsteig hinauf zu einer Lichtung mit markanten, alten Bäumen, die den Blick in Richtung Süden und hinunter zum Walchsee freigibt. Ein steiler Grashang, der allerdings an feuchten Tagen ebenfalls ziemlich sumpfig und von tiefen Kuhspuren zertreten ist, führt hinauf zu einer Weggabelung an einer alten Stallung, wo ein schlichtes großes Holzkreuz steht, und geht über in einen breiten Forstweg. Diesem gen Osten bis zu den nächsten Almen folgen und weiter in Richtung Westen zur Schanzer Alm. Vor der Alm rechts die offenen Wiesenhänge hinauf auf einem kleinen Wiesenpfad zum in der Ferne bereits ersichtlichen Gipfelkreuz.

Am Gipfelkreuz heißt es erst einmal, das nassgeschwitzte Shirt ausziehen und eine trockene Schicht samt wärmender Jacke anlegen, weil der Wind doch etwas bläst. Dann Genuss pur: die Ruhe hier oben, die mitgebrachte, selbst vorbereitete Brotzeit, die einen in Zeiten der durchorganisierten, oft überlaufenen Bergrestaurants auch wieder ein wenig erdet und Kindheitserinnerungen weckt, und vor allem die grandiosen Aussicht.

Wer dann sportlich noch nicht ausgelastet ist, kann die Tour noch erweitern und beispielsweise weiter zum Wandberg oder zum Lochner Horn gehen oder das Ganze auch als schöne Rundtour mit Abstieg nach Walchsee über den eindrucksvollen Lochner Wasserfall gestalten. Der Weg dorthin führt nach dem Gipfelabstieg bei den Almen links an der Hupf’n Alm vorbei und bei der nächsten Alm links einen Wiesenweg hinunter. Immer entlang der Beschilderung Walchsee/Wasserfall bergab auf einem Waldsteig und mit ein paar großen Schritten über den Kohlenriederbach, bevor der Steig wieder in einen breiten Forstweg mündet. Das Rauschen des Wasserfalls wird wieder lauter, weit kann er nicht mehr sein. Ein kleiner Steig führt vom Forstweg hinunter zur kleinen Holzbrücke, an deren rechter Seite der Wasserfall heruntertost und in einer großen Gumpe – im Sommer sicher ein schönes Ziel zur Abfrischung – mündet. Nur noch ein paar Höhenmeter hinunter durch einen verwurzelten und zum Teil mit Treppen verbauten Waldweg und der Weg bringt einen zurück nach Oberwinkl kurz oberhalb des Parkplatzes. Übrigens: An heißen Sommertagen ist die Tour andersherum – durch den schattigen Wald hinauf und mit der Sonne im Gesicht wieder runter – ebenfalls ein großer Genuss. 

  • Routeninformationen
Anforderung: leicht
Gehzeit: ca. 3,5 Stunden
Höhendifferenz:

820 Meter

Gebirge:

Chiemgauer Alpen

Anreise/Zufahrt:

Autobahn A93 Richtung Innsbruck, Ausfahrt Oberaudorf, Richtung Niederaudorf/Walchsee

Ausgangspunkt:

Parkplatz am Sportplatz nördlich
von Walchsee (Gebühr 3 €)

Beste Tourenzeit:

April bis Dezember (je nach Schneelage)

 

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