„Halte durch, dann kommst du durch“

Julia Schuster

Fotos: Julia Schuster

Vom 18. bis 21. Januar präsentiert die Rosenheimer Malerin Lisa Schett einige ihrer Kunstwerke zum Thema Indien im Ludwigshof.

Picasso sagte einst: „Jedes Kind ist ein Künstler. Das Problem ist nur, wie man ein Künstler bleibt, wenn man größer wird.“ Dieser Herausforderung stellt sich das Rosenheimer Nachwuchstalent Lisa Schett Tag für Tag. Drei Jahre dauerte es, zu lernen und verstehen, wie alte Meister wie Rembrandt oder Vermeer arbeiteten. Wesentlich länger brauchte Schett, um zu lernen, wieder das Kind in sich zu entdecken. „Wenn man Kinder beim Malen beobachtet, fällt auf, dass sie einfach den Pinsel aufsetzen und anfangen, ohne darüber nachzudenken“, sagt Schett. Ihre Glaubenssätze und Gesellschaftsideale loszulassen, war nicht immer leicht, doch die heute 26-Jährige meisterte diese Herausforderung mit Erfolg. Einige ihrer Werke schafften es über Hamburg bis nach Peking, wo sie im vergangenen Jahr mehrere Wochen ausgestellt wurden. Vom 18. bis 21. Januar 2018 werden acht Bilder zum Thema Indien nun im Ludwigshof am Ludwigsplatz in Rosenheim präsentiert.

Indien – auch genannt das Land der Gegensätze und Farben – diese Beschreibung trifft auch auf die junge Malerin zu. Ihre Kunst beschreibt Schett als „lebendig und crashig“, ihre Inspiration findet sie sowohl in der Stille der Natur in den bayerischen Bergen als auch an Orten, an denen das pure Leben herrscht. Um sich auf ihre Ausstellung vorzubereiten, buchte sie einen Flug nach Kalkutta. „Ich wollte mich wirklich auf den dreckigen Boden hocken und die Leute beobachten und skizzieren“, erzählt die junge Frau, die Vermeer und Picasso verehrt. Letztlich trat sie den Flug jedoch aufgrund von Krankheit nicht an. „Ich male die Dinge, wie ich sie denke, nicht wie ich sie sehe“, zitiert sie Picasso. Was dabei herausgekommen ist, können Interessierte nun im Ludwigshof bewundern. „Ich kann schon gar nicht mehr schlafen, weil ich so aufgeregt bin“, erzählt sie lachend.

Doch die Malerei war nicht immer Schetts Lebensmittelpunkt. Nach einer abgeschlossenen Ausbildung zur Restaurantfachfrau versuchte sie sich als Schauspielerin in München. Ihr wurde jedoch schnell klar, dass auch das nicht das richtige für sie ist. „Dann bin ich auf die Malerei gestoßen. Das, was ich als Kind schon immer mit meiner Mama gemacht hab“, erinnert sich die gebürtige Nussdorferin. Kurz darauf machte sie sich damit selbstständig. „Das ist genau vier Monate gut gegangen.“ Schett stieg wieder in ihren alten Beruf ein, arbeitete sich hoch – und vermisste die Malerei. Also reduzierte sie von Voll- auf Teilzeit, um wieder mehr Zeit ihrer Kunst widmen zu können. Die Selbstständigkeit ist trotzdem nach wie vor ihr Ziel.

Und Ziele hat die 26-Jährige noch mehr: So hofft sie, mit ihrer Kunst irgendwann Geld zu verdienen und Galerien zu betreiben. „Geil wären New York und Amsterdam“, überlegt sie verträumt. Auch Aufträge und Werbekampagnen für große Firmen wie BMW oder Audi stehen auf Schetts Wunschliste. Im Gespräch mit einer Freundin, die mit Kindern mit Downsyndrom arbeitet, kam ihr der Gedanke, dass auch Malkurse für Kinder oder die Eröffnung einer eigenen Kunstschule interessante Möglichkeiten wären. Am wichtigsten jedoch ist für das Nachwuchstalent, mit ihren Werken den Menschen eine Botschaft zu vermitteln.

Ich male das, was mich beschäftigt“, sagt Schett, während sie eines ihrer Bilder betrachtet, auf dem eine arme Frau ein Kind schützend in ihren Armen trägt. Es ist offensichtlich, dass es der Frau nicht gut geht. Ihr Gesicht ist von Hunger und Leid gezeichnet. Es scheint, als wolle sie aus dem Bild heraus, heraus aus ihrer Gegenwart, hinein in unsere, wo Gesundheit und Reichtum herrschen. „Aber dann denkt sie sich, dass es ja einen Grund hat, dass sie da ist, wo sie ist“, erklärt die Künstlerin. „Stell dich dem, zieh das durch. Halte durch, dann kommst du durch. Und irgendwann wachst du auf, klopfst dir auf die Schulter und denkst dir: du hast es geschafft!“ Diese und weitere Botschaften möchte Schett den Besuchern der Ausstellung mit auf den Weg geben. Ihr Wunsch ist, die Leute glücklich zu machen und sie dazu zu motivieren, etwas aus ihrem Leben zu machen. Auch Picasso wusste das schon: „Kunst ist dazu da, den Staub des Alltags von der Seele zu waschen.“

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