Glück zu!

Julia Schuster

Fotos: Andreas Jacob

Die Maiermühle in Teisendorf ist die älteste noch betriebene Wasserkraft-Mühle im Berchtesgadener Land.

Am Rande des Ortes Teisendorf klappert sie schon seit Jahrhunderten am rauschenden Bach: Die Maiermühle. Mit ihrem großen Wasserrad ist sie damit die letzte ihrer Art im Berchtesgadener Land. Während andere Mühlen schon lange auf den Zug der modernen Technik aufgesprungen sind, wird die Maiermühle noch immer vorteilhaft mit einem oberschlächtigen Wasserrad angetrieben. Traditionell ist auch das Innere der Mühle, das mit seinen alten Maschinen eher einem Museum gleicht als einem arbeitenden Betrieb. Der kleine Mühlenladen, den man gleich nach dem Eingangsbereich betritt, erinnert ebenfalls an frühere Zeiten. Schwere eiserne Wappen zieren eine der Wände. In einem breiten Holzbalken versteckt sich ein Elevator, der das ökologisch angebaute Getreide in Bechern hinauf in die oberen Stockwerke trägt. Die Regale an den Wänden sind voll mit verschiedenen Mehlsorten, Nudeln, Müsli, Eiern und mehr. Durch ein Fenster hinter der Holztheke erhascht der Mühlenbesucher einen Blick auf den sogenannten Walzenboden, aus dem das laute Rattern der Walzenmaschinen dringt.

Dem Müller Mathias Mühlbacher ist es wichtig, das traditionelle Handwerk am Leben zu erhalten. „Das Prinzip der Vermahlung ist seit 100 Jahren gleich“, erklärt er. Über eine schmale Holzstiege geht er hinunter in den Keller. Aufgrund der niedrigen Decke kann Mühlbacher nur gebückt stehen, während er einen breiten Lederriemen über eine sich schnell drehende Rolle legt. Mithilfe eines Zahnrads wird die Energie des Wasserrades auf mehrere solcher eisernen Rollen verteilt, die mit den alten Lederriemen die Walzen im Erdgeschoss antreiben.

Die Maiermühle stammt aus dem 12. Jahrhundert und befindet sich seit 1769 im Familienbesitz der Mühlbachers. Bereits im zarten Alter von drei Jahren stand für Mathias Mühlbacher fest, Müller zu werden. Damit bewirtschaftet der 38­‐Jährige die Mühle nun schon in achter Generation. Die Maschinen und vor allem das große Wasserrad haben ihn schon immer fasziniert. Das tonnenschwere Rad ließ Mühlbachers Urgroßvater Sylvester vor über 80 Jahren anstelle von drei kleinen Wasserrädern einbauen, das er gebraucht in Franken erworben hatte. Mit dem Zug wurde es damals nach Teisendorf geliefert. Glücklicherweise geht’s vom Bahnhof bis zur Mühle bergab, sodass die Familie das Eisenrad einfach nach Hause rollen konnte. Und seitdem dreht das etwa 140 Jahre alte Rad jeden Tag seine Runden. Rost habe dabei keine Chance, weil der Kalk im Alpenwasser eine Schutzschicht bilde, so Mühlbacher. Im obersten Stockwerk wird das Mehl in riesigen Filtermaschinen gesiebt, bevor es im ersten Stock, dem Mehlboden, in Säcke abgefüllt wird. Mehrere Dutzend davon, gefüllt mit Dinkelmehl, Weizenmehl, Vollkornmehl, Grieß und Dunst stehen sortiert für Mutter Hildegard Mühlbacher bereit, damit sie diese für den Mühlenladen vorbereiten kann.

Etwa 50 Tonnen der Getreideprodukte werden jährlich in der Maiermühle gemahlen; nicht genug, um Bäckereien zu beliefern, aber genug für den kleinen hauseigenen Laden. „Mathias hat mit 21 Jahren schon seine Meisterprüfung abgelegt und wurde zweiter Bundessieger beim Leistungswettbewerb für Handwerksbetriebe“, erzählt Vater Andreas sichtlich stolz, während der junge Müller gerade das Mehl für eine Kundin abwiegt. Die Kundschaft komme von Nah und Fern, so der Senior weiter. Eine Familie reise sogar regelmäßig aus Stuttgart an, um die Erzeugnisse der Maiermühle zu kaufen.

Wie einst auch den Müller selbst, faszinieren die verschiedenen Mahlvorgänge, Maschinen und insbesondere das schwere Wasserrad vor allem die kleinen Besucher der Mühle. Darum bietet Mühlbacher gelegentlich Führungen für Kindergärten und Grundschulen an. Er selbst hat noch keine Kinder, aber mit seinen Nichten und Neffen ist für die neunte Müllergeneration schon gesorgt. Auch sie werden sich später einmal den traditionellen Müllergruß zurufen: „Glück zu!“ 

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